• The Wall Street Journal

Obama setzt auf den Nostalgie-Effekt

Associated Press

Ein Tag noch bis zur Wahl: US-Präsident Barack Obama ist bis Montagnacht auf Wahlkampftour.

Barack Obama beendete seine Rede und die Musik wurde aufgedreht. Aber als der US-Präsident der Menschenmenge zuwinkte und die Bühne verließ, lief nicht wie sonst üblich Bruce Springsteen. Stattdessen kam der Song „Signed, Sealed, Delivered, I'm Yours" von Stevie Wonder. Das war Obamas Hymne im Wahlkampf 2008. Ein bisschen Nostalgie war dabei, als das Lied bei seinen letzten Auftritten vor der Wahl wieder ertönte. „Wir haben zu viel erreicht, um aufzugeben", rief Obama seinen applaudierenden Unterstützern zu.

Die letzten Tage vor der Wahl verbringt Obama damit, kreuz und quer durch die USA zu reisen. New Hampshire, Florida, Colorado, Wisconsin, Iowa und Ohio – das sind die Staaten, die zum Schluss auf seiner Liste stehen. Seine Wahlkampftour endet am Montag gegen Mitternacht in Chicago. Dort wird er noch sein, wenn die Wähler am Dienstag über sein Schicksal abstimmen.

Hier geht's zum

[image]

Am Wochenende sprach Obama auch über die Themen, mit denen er vor vier Jahren Erfolg hatte. Dabei sagte er, dass er mit jedem Politiker aus jeder Partei zusammenarbeiten werde, der das Land vorwärts bringen möchte. Aber er machte deutlich, dass es Grenzen gebe. So lehnt er Einschnitte bei der Förderung von Studenten oder im Gesundheitswesen ab.

Mit Obama reisen viele seiner Berater und engsten Freunde. Das sind die Menschen, die ihm bei seinem rasanten Aufstieg vom Senator zum Präsidenten unterstützt haben. Ein bisschen Aberglaube ist auch dabei: Seine Redenschreiber, die ihn an Bord der Air Force One begleiten, wollen sich bis zum Wahltag nicht mehr rasieren.

Interaktiv: Die Kandidaten im Vergleich

Nun, da seine Wahlkampftruppe auf Hochtouren arbeitet, sei er selbst nicht mehr so wichtig, sagte Obama. Darüber habe er sich auch mit seinem Berater David Plouffe unterhalten, erzählte er bei seinen Auftritten am Wochenende. „Ich bin eine Art Requisite im Wahlkampf", sagte er in Virginia. „Es ist egal, was wir tun – jetzt liegt alles in eurer Hand."

Die Wahlkampftour sei fast wie ein Familientreffen, sagte Jen Psaki, eine Wahlkampfsprecherin, die 2008 mit Obama unterwegs war. „Wir haben viel Zeit damit verbracht, über die Höhen und Tiefen der letzten sechs Jahre zu reden."

Auf den letzten Metern hat sich Obama auch Unterstützung von Popstars geholt. Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Dave Andrews und Jay-Z – sie alle traten bei Veranstaltungen auf. Katy Perry trug sogar ein Kleid, das mit Obamas Wahlkampfslogan „Forward" (Vorwärts) bedruckt war. Der größte Politstar der Kampagne ist der amerikanische Ex-Präsident Bill Clinton. Bei einer Veranstaltung in New Hampshire hatte er so viel zu sagen, dass seine Rede länger dauerte als die des Präsidenten.

„Es war, als sei Elvis dagewesen", sagte der 51-jährige John Hattan danach. Er war mit rund 14.000 anderen an dem kalten Morgen aufgestanden, um den Präsidenten zu sehen. Obamas Unterstützer waren optimistisch, aber auch nervös. „Es ist denkbar enges Rennen", sagte die 52-jährige Lehrerin Monica Cote. „Ich versuche, nicht zu zuversichtlich zu sein."

Dass Obama am Schluss seiner Wahlkampftour auch in New Hampshire Halt macht, zeigt, wie eng das Rennen tatsächlich ist – der Bundesstaat an der Ostküste hat nur vier von insgesamt 538 Wahlmännerstimmen. Sowohl Obamas als auch Mitt Romney Unterstützer sind optimistisch. Aber keiner weiß, welche Staaten ihr Kandidat holen muss, damit er am Ende als Sieger dasteht.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Mai

    In Sri Lanka fertigt ein Schneider eine kunterbunte Buddha-Fahne, in China hat sich wieder ein riesiger Straßenkrater aufgetan und beim Radrennen Giro d'Italia kämpften sich die Teilnehmer durch die Alpen. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.