• The Wall Street Journal

Endspurt im Kampf ums Weiße Haus

MENTOR/DUBUQUE - Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA absolvieren Amtsinhaber Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney nochmals einen Marathon, um die letzten noch unentschlossenen Wähler von sich zu überzeugen. Während Obama darum bittet, ihm vier weitere Jahre für seine Vorhaben zu geben, kritisiert Romney den Präsidenten als amtsmüde. Stattdessen wirbt der Republikaner für sich als ein Geschäftsmann, der mit beiden Parteien in Amerika gut zusammenarbeiten könne.

Die unterschiedlichen Deutungen des Wörtchens "change"

Das letzte Wochenende vor der Wahl war für beide Kandidaten vollgepackt mit Veranstaltungen in allen Teilen des riesigen Landes. Obama sprach am Samstag in Mentor, Ohio, und wies die Versprechen seines Herausforderers zurück. Romney hatte das Wahlkampfthema von Obama aufgegriffen, mit dem dieser vor vier Jahren an die Macht gekommen war. Jetzt verspricht Romney den "change", den Wandel, die Wende zum Besseren. Obama wiederum weist das als die falsche Wende zurück.

Associated Press

Sie sind für Barack Obama - Wähler während einer Wahlkampfveranstaltung im Kenyon College in Gambier, Ohio, am Samstag.

Associated Press

Sie unterstützen Mitt Romney - der republikanische Präsidentschaftskandidat bei einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Denver, Colorado.

"Wenn ich über die Wende spreche, dann weiß ich, wie Veränderungen wirklich auszusehen haben", sagte der Amtsinhaber vor 4.000 Wählern in einer Schule in Mentor. "Ich habe dafür gekämpft, ich kann Narben vorweisen, die das belegen. Und ihr habt auch dafür gekämpft. Nach allem, was wir durchgemacht haben, können wir jetzt nicht umdrehen und aufgeben."

Obama beschreibt Romney als einen Kandidaten, der eine Wechselstimmung erzeugen und nutzen wolle. Seine Wirtschaftspolitik sei aber nicht überzeugend. Romney wolle die Politik zurückbringen, die auch früher schon nicht funktioniert habe. Das sei kein Wandel.

Romney vergleicht sich erstmals mit Obama

Der Noch-Präsident warf seinem Herausforderer vor, dieser verschweige wesentliche Elemente seines politischen Programms. Romney habe nie erläutert, wie er seine versprochenen Steuersenkungen finanzieren wolle. Und der Republikaner habe unrecht mit der Behauptung, dass der Autohersteller Chrysler Jobs nach China verschiebe. Vielmehr expandiere der Konzern in beiden Ländern.

Romney konzentrierte sich in seiner Kampagne darauf, die eigenen Qualitäten und Erfahrungen hervorzuheben und sich mit Obama zu messen. So habe er die Olympiade mit organisiert und Unternehmen wieder in die Spur gebracht. Der Name der von ihm mitgegründeten und oft kritisierten Beteiligungsgesellschaft Bain Capital fiel dabei nicht. Stattdessen verwies Romney auf seine Zeit als Gouverneur von Massachusetts, wo er mit beiden Parteien gut zusammengearbeitet habe. "Man weiß alles, was man für die Wahl wissen muss, um eine Entscheidung zwischen den zwei Kandidaten zu treffen - basierend auf dem, was wir in der Vergangenheit getan haben".

Interaktiv: Die Kandidaten im Vergleich

Dass Romney sich nun mit dem Präsidenten vergleicht, ist keine Selbstverständlichkeit. Noch vor wenigen Monaten hatte sein Wahlkampfteam davor zurückgeschreckt. Sein Team hatte befürchtet, bei einem bloßen Vergleich mit Obama würde Romney unterliegen.

Ob Romney mit seiner eingeschlagenen Wahlkampfstrategie nun auf das richtige Pferd gesetzt hat, ist in dem Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten noch nicht entschieden. Im Bundesstaat Iowa beispielsweise hat in den Umfragen mal der eine und dann wieder der andere Kandidat die Nase vorn. Die Wahlbeobachter von Real Clear Politics sehen Amtsinhaber Obama insgesamt einen Hauch vor Romney.

Auch wenn die Themen im Wahlkampf gesetzt sind, kommt es doch immer wieder zu Schlagabtauschen. Romney griff beispielsweise die Bemerkung von Obama auf, dass "die Wahl die beste Form der Revanche" sei. Romney sagte, Obama fordere seine Unterstützer dazu auf, die Wahl als Revanche zu nutzen. "Ich bitte Euch darum, zuliebe des Landes zu wählen." Obama hatte am Freitag das Wort Revanche gebraucht, am Samstag hatte Romney schon einen Werbespot im Fernsehen geschaltet, in dem die Wähler nach ihrer Motivation für die Wahlentscheidung gefragt wurden.

Ohio, Wisconsin, Iowa, Virginia - alles an einem Wochenende

Romneys Zeitplan ist eng gestrickt. Nach einer Wahlkampfveranstaltung in New Hampshire am Samstagmorgen folgten gleich zwei Termine in Colorado. Sonntag hat er Auftritte in Iowa, Ohio, Pennsylvania und Virginia. "Wir hatten lange Tage und kurze Nächte. Jetzt haben wir es fast geschafft", sagte er zweideutig.

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Auch Präsident Obama schont sich nicht. Nach Ohio und Wisconsin kamen Iowa und Virginia an die Reihe - alles an einem Wochenende. Seinen Wahlkampf abschließen wird der Amtsinhaber in seiner Heimatstadt Chicago, wo er auch den Wahltag verbringen wird.

Vizepräsident Joe Biden absolviert zur Unterstützung von Obama ein ähnliches Programm. Mit Blick auf die Umstellung der Sommer- zur Winterzeit an diesem Wochenende sagte Biden: "Das ist der letzte Tag Sommerzeit heute. Romney liebt diesen Tag, weil jetzt die Uhren zurückgestellt werden". Aber vielleicht meinte Biden nicht das politische Programm, zu dem der Republikaner zurückstrebt, sondern schlicht die Tatsache, dass die Wahlkampfteams bei der Umstellung auf die Winterzeit eine Stunde länger schlafen können.

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