• The Wall Street Journal

Zehn Tipps für die Arbeit im Home-Office

Das Büro im eigenen Zuhause ist heute keine Seltenheit mehr. In den USA arbeiten 3,1 Millionen Menschen ausschließlich von zu Hause aus, noch viel mehr zumindest einen Teil ihrer Zeit, berichtet das Telework Research Network. Sie halten von der Couch aus Konferenzanrufe, schließen über Skype Geschäfte ab und lesen auf ihrem iPhone Tabellen, während im Nebenzimmer womöglich ein Kleinkind schreit.

The storm has forced scores of office employees to work remotely, many for the first time. But it isn't as easy as flipping open a laptop and plopping down at the kitchen table. Rachel Silverman on The News Hub offers tips from the pros on getting things done far from the office. Photo: AP.

In New York waren diese Woche zusätzlich viele Menschen dazu gezwungen, von zu Hause aus zu arbeiten, weil ihnen der Sturm Sandy den Weg zum Büro versperrte. Doch in den eigenen vier Wänden so produktiv zu sein wie im Büro, ist nicht immer einfach. Die Arbeit im Home-Office wolle geübt sein, wenn die Arbeit auch außerhalb des Büros glatt laufen soll, sagt Kate Lister, Vorsitzende der Analysefirma Global Workplace Analytics.

Hier sind einige Tipps dazu, wie man auch fernab vom Büro produktiv sein kann:

Arbeit braucht Platz. Ein ruhiger Ort, der nur der Arbeit gewidmet ist, ist der Schlüssel zur Produktivität, sagen erfahrene Telearbeiter, sei es ein Schreibtisch im Gästezimmer oder ein Beistelltisch in einer Wohnzimmerecke. Räume wie die Küche oder das Kinderzimmer, wo oft Unruhe herrscht, sollte man vermeiden.

Es gibt Alternativen zum eigenen Zuhause. Kein Platz, keine Ruhe, kein funktionierendes Internet zu Hause? Cafés, Büchereien oder sogar Hotellobbys sind Alternativen. Während in New York der Sturm sein Unheil trieb, suchten viele Menschen mit dem Twitter-Hashtag #sandycoworking nach einem Ort, wo sie arbeiten konnten. Im Internet gibt es Datenbanken mit freien Arbeitsplätzen, die von Firmen oder Privatleuten angeboten werden.

Die Cloud macht die ganze Welt zum Home-Office. Wenn Unternehmen ihre wichtigsten Daten in der Cloud speichern, kommen die Angestellten leichter an ihre Arbeit ran. Ein solches Cloud-Programm hat zum Beispiel dem New Yorker Start-up ShopKeep POS geholfen, auch während des Sturms wie gewöhnlich weiterzuarbeiten, obwohl es im Büro keinen Strom gab. ShopKeep bietet technologische Lösungen für Einzelhändler an. Die 30 Mitarbeiter des Unternehmens kamen von zu Hause aus an ihre Dateien und konnten sich mit dem Gruppen-Chat-Programm Campfire absprechen, sagt Sandhya Rao, Vice President für Marketing und Sales.

Der Babysitter lohnt sich. Von zu Hause aus zu arbeiten, während man auf ein Kind aufpasst, ist nicht unmöglich. Aber fast. Kayli Harding, Personalmanagerin bei der Consulting-Firma Kalypso, arbeitet von ihrem Zuhause in Dallas (Texas) aus. Sie nutzt die vier Stunden, während denen ihr Sohn Mittagsschlaf hält, um Telefonkonferenzen zu halten und ohne Unterbrechung arbeiten zu können. Wer das nicht einrichten kann und keine Kinderbetreuung findet, sollte versuchen, früh morgens und spät abends zu arbeiten, wenn Kinder schlafen.

Man muss nicht ständig per E-Mail erreichbar sein. Ständige sinnlose Unterbrechungen durch E-Mails lassen das Zuhause womöglich mehr wie ein Büro erscheinen, doch sie bereiten auch mehr Stress und stören den Arbeitsfluss, hat Kathryn Fonner von der University of Wisconsin-Milwaukee in einer aktuellen Studie herausgefunden. Um endloses Hin- und Her-Mailen zu vermeiden, lassen sich Dokumente und Projekte auch gut mit Online-Diensten wie Google Drive, Asana und Basecamp verwalten.

Vorsicht vor der Kommunikationslücke. Wenn sich Kollegen nicht persönlich sehen können, entstehen schnell Missverständnisse, zum Beispiel bei Arbeitsanweisungen. Sie sollten besser das Telefon in die Hand nehmen oder eine Videokonferenz schalten, gerade wenn es um sensible Themen geht, sagt Sigal Barsade, Management-Professor an der Wharton School. Skype bietet auch Telefonnummern an, mit denen man überall auch für Kollegen erreichbar ist, die selbst keinen Skype-Zugang haben.

Auch Helden der Heimarbeit sollten ihren Chef hin und wieder sehen. Es ist hilfreich, gelegentlich Treffen mit Vorgesetzten und Kollegen zu planen, um das Neuste über Projekte zu hören und die Karriere voranzutreiben. Dadurch kann man auch den Eindruck vermeiden, dass man den ganzen Tag auf der Couch verbringe, sagt Lister. Jedoch müssen Manager klare Ziele setzen und ihre Angestellten nach Leistung und nicht nach Präsenzzeiten bewerten, sagt Joshua Billington von Telework Advocacy, einer Gruppe, die Angestellte unterstützt, die von zu Hause aus arbeiten.

Auch zu Hause gibt es feste Arbeitszeiten. Oft haben Angestellte im Home-Office die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten an die eigenen Gewohnheiten und Termine anzupassen. Doch Vorgesetzte und Kollegen müssen sich einigen, zu welchen Zeiten von ihnen erwartet wird, dass sie verfügbar sind. Wer sich klare Arbeitszeiten setzt, schützt damit auch seine Freizeit vor der Arbeit und seine Arbeit vor Ablenkungen im Haushalt, wie zum Beispiel dem Stapel ungebügelter Wäsche.

Das Home-Office muss nicht einsam sein. Wer sich zum Mittagessen mit Kollegen und Kunden trifft, vertreibt damit die Isolation, die ein Home-Office manchmal mit sich bringt. Telearbeiter sind oft konzentrierter und motivierter als Büroarbeiter. Doch eine aktuelle Studie des Conference Board zeigt, dass sie oft das Gefühl haben, nicht auf dem Laufenden zu sein und häufig unter Burnout leiden können, weil die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit nicht klar gezeichnet sind.

Was nicht funktioniert, muss sich ändern. Unternehmen sollten gelegentlich ein „Home-Office-Training" abhalten, sagt Lister, um Angestellte darauf vorzubereiten, ihre Arbeit von zu Hause aus zu bewältigen. Außerdem sollten technologische Probleme und Sicherheitslücken bei Fernzugängen immer schnell behoben werden. Wenn ein Unternehmen auf diese Weise flexibel bleibt, ist auch ein unerwarteter Tag im Home-Office – wie während Sandy – kein großes Problem.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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