• The Wall Street Journal

Airlines streichen Flugrouten über den Nordpol

High fuel prices and fewer people paying premium fares persuaded Singapore Airlines to cut back on ultralong-haul flights. The WSJ's Jeffery Ng explains why airlines may be better off aiming for the lower end of the market.

Immer weniger Kunden sind bereit, hohe Ticketpreise zu zahlen. Weil die Treibstoffkosten hartnäckig hoch bleiben, streichen Fluggesellschaften daher jetzt viele ihrer Nonstop-Flüge um die halbe Welt. Singapore Airlines gab am Mittwoch bekannt, dass die zwei längsten Strecken nach Newark (New Jersey) und Los Angeles bald wegfallen.

Die reinen Business-Class-Flüge wurden zum ersten Mal 2004 angeboten und werden Ende 2013 eingestellt. Der Flug zwischen Newark und Singapur dauerte 18,5 Stunden, der nach Los Angeles 16 Stunden. Hin- und Rückflug nach Newark kosten für Mitte November etwa 12.570 Singapur-Dollar (7.950 Euro), nach Los Angeles 9.000 Singapur-Dollar (5.700 Euro).

Dadurch wird es bald nicht mehr möglich sein, nonstop von Nordamerika nach Singapur zu fliegen. Das Tor zu den boomenden Wirtschaften Südostasiens wird dann nur noch mit Zwischenlandung in Europa oder Asien zu erreichen sein.

dapd

Immer weniger Kunden sind bereit, hohe Ticketpreise zu zahlen. Weil die Treibstoffkosten hartnäckig hoch bleiben, streichen daher Fluggesellschaften wie auch Singapore Airlines jetzt viele ihrer Nonstop-Flüge.

„Ich bin enttäuscht, dass ich nicht mehr direkt nach New York fliegen kann", sagt Paul Ng, Leiter für den Bereich Luftfahrt bei der Kanzlei Stephenson Harwood. Er fliegt etwa dreimal im Jahr in die USA. „Die Nachfrage schien ganz gut zu sein. Beide Male, da ich die Strecke geflogen bin, waren die Maschinen voll", sagt Ng. Er ist Experte für Luftfahrtfinanzen und berät verschiedene Fluggesellschaften.

Dieses Jahr haben noch drei andere Linien ihre ultralangen Flugrouten von über 15 Stunden gestrichen. Thai Airways hat den Nonstop-Flug zwischen Bangkok und Los Angeles aus dem Plan entfernt, Delta den Flug von Detroit nach Hongkong und American Airlines die Strecke zwischen Chicago und Neu Delhi. Die nächstlängste Strecke, die noch in Betrieb ist, ist der Qantas-Flug zwischen Dallas-Fort Worth in den USA und Sydney.

Schuld an den Streichungen sind Finanzen und die Physik. Durch die schwache Weltkonjunktur wollen weniger Passagiere die hohen Ticketpreise zahlen, die oft fünf Mal so hoch sind wie die regulären Preise in der Economy-Klasse. Auch die Ausbreitung von Discount-Airlines in Asien hat den Preisdruck auf örtliche Fluglinien wie Singapore Airlines und Cathay Pacific Airways erhöht.

Mehr Kerosinverbrauch auf langen Strecken

Durch das riesige Gewicht des Treibstoffs auf Flügen von über 15 Stunden brauchen Flugzeuge pro Kilometer mehr Kerosin als auf kürzeren Strecken. Doch die Einkünfte aus Ticketpreisen steigen nicht proportional mit.

Als die Treibstoffpreise noch niedriger und die Nachfrage nach den Tickets höher war, konnten die Airlines die Differenz ausgleichen. Doch heute funktioniert die Rechnung nicht mehr, sagen Vertreter der Branche. Viele Fluggesellschaften konzentrieren sich daher mehr auf Kurzstreckenflüge. Doch in dem Bereich müssen sie sich der Konkurrenz der Discount-Airlines stellen.

Diese machen mittlerweile ein Viertel des Luftverkehrs in der Asien-Pazifik-Region aus. Um mithalten zu können, müssen die traditionellen Airlines ihr Geschäftsmodell radikal umbauen.

In den ersten acht Monaten des Jahres ist das Volumen des Premium-Verkehrs um nur 4,7 Prozent gestiegen, das des üblichen Touristenverkehrs um 6,7 Prozent, berichtete die International Air Transport Association.

Viele Wahlmöglichkeiten

Die Ultralangstreckenflüge von Singpore Airlines waren mit 16 bis 18,5 Stunden zwar besonders lang, doch Passagiere wurden mit komplett flachen Betten, mehreren Gourmet-Mahlzeiten und vielen Unterhaltungsmöglichkeiten verwöhnt. Tausende Filme, Fernsehshows, CDs und Videospiele konnten sie bei Bedarf abrufen.

„Es ist zwar traurig, dass wir diese Flüge streichen müssen, doch der US-Markt ist uns weiterhin wichtig", sagt Singapore-Airlines-Chef Goh Choon Phong in einer Stellungnahme am Mittwoch.

Die Airline verkauft ihre fünf Airbus-Jets des Modells A340-500, die auf diesen Strecken eingesetzt wurden, zurück an den Hersteller, als Teil eines Deals, bei dem Singapore Airlines 25 neue Großraumflugzeuge erhält. Goh sagt, seine Airline erhöhe derzeit die Kapazitäten für Flüge nach L.A. und New York, bei denen die A380-Jumbojets einmal zwischenlanden.

Die Preise für Flugzeugbenzin sind 2008 zwischenzeitlich auf 0,89 Euro pro Liter gestiegen und durch die globale Finanzkrise bis Ende 2008 auf 0,27 Euro gefallen. Mittlerweile sind die Preise wieder bei 0,61 Euro angelangt, berichtet das US-Energieministerium.

Langstreckenflugzeug wenig erfolgreich

Den Airbus A340-500, mit dem Singapore Airlines seine Nonstop-Routen flog, bietet Airbus seit Dezember nicht mehr an. Der Jet ist eines der am wenigsten erfolgreichen Modelle, das in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen ist. In den zehn Jahren, in denen Airbus das Flugzeug anbot, wurden nur 34 davon bestellt, berichtet das Unternehmen. 27 seien derzeit noch im Flugverkehr unterwegs, inklusive denen von Singapore Airlines. Erfolgreiche Modelle werden meist hunderte Male bestellt und dann etwa 20 Jahre lang produziert.

—Mitarbeit: Daniel Michaels, Joanne Chiu und Sam Holmes.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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