• The Wall Street Journal

Libor-Skandal erfasst neun weitere Banken

Der Libor-Skandal zieht Kreise. Die Staatsanwälte haben ihre Ermittlungen auf weitere Institute ausgedehnt. Neun zusätzliche Geldhäuser erhielten von den Staatsanwälten der US-Bundesstaaten New York und Connecticut Vorladungen. Der Vorwurf lautet: Verstoß gegen kartellrechtliche Auflagen und Betrug.

dapd

Als die WestLB noch WestLB hieß (im Bild die Zentrale in Düsseldorf), soll sie an den Libor-Manipulationen beteiligt gewesen sein.

Die Vorladungen seien bereits im August und September bei den betroffenen Finanzinstituten eingegangen, wurden allerdings erst jetzt bekannt, sagte eine mit der Ermittlung vertraute Person. Damit klettert die Zahl der vorgeladenen Kreditinstitute auf 16. Mittlerweile wird gegen die meisten Großbanken ermittelt, die den wichtigen Libor-Satz bestimmen, der für zahlreiche Transaktionen weltweit als Grundlage dient.

Die Schritte der US-Staatsanwälte sind Teil einer weltweiten Ermittlung, in der über drei Kontinente dem Vorwurf der Libor-Manipulation nachgegangen wird. Die im August und September vorgeladenen Banken sind: Bank of America, Bank of Tokyo Mitsubishi UFJ, Credit Suisse, Lloyds Banking, Rabobank, Royal Bank of Canada, Société Générale, Norinchukin Bank und die deutsche West-LB. Sieben weitere Banken befinden sich ebenfalls im Fadenkreuz der Ermittler.

Vertreter von Bank of America, Credit Suisse, Bank of Tokyo und Norinchukin wollten sich zu den Vorgängen nicht äußern. Die fünf anderen im August und September vorgeladenen Finanzhäuser waren für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Die Ermittlung der Beamten aus New York und Connecticut dreht sich vor allem darum, auf welchen Wegen Anleger, Landesbehörden und Gemeinden von den zurechtgedrechselten Liborsätzen geschädigt wurden. Diese Gruppen nutzten sogenannte Zinsswaps, um ihre Kreditkosten zu beeinflussen. Die potenziellen Verluste könnten sich direkt auf die Staatsfinanzen ausgewirkt haben. Ermittlungen wurden auch aus anderen Bundesstaaten - darunter Massachusetts und Florida - bekannt.

Als erstes Kreditinstitut hatte sich die britische Barclays mit Aufsehern in den USA und Großbritannien auf die Zahlung von 450 Millionen US-Dollar Strafe geeinigt. Dabei räumte Barclays schweres Fehlverhalten ein: Manager und Händler hätten den Libor manipuliert. Die Einigung und besonders das Eingeständnis sorgten für politischen Aufruhr. In der Folge mussten Barclays-Chef Robert Diamond und der Verwaltungsratsvorsitzende Marcus Agius den Hut nehmen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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