• The Wall Street Journal

Ford zieht die Bremse in Europa an

Die Ankündigung des US-Autoherstellers Ford, seine Überkapazitäten in Europa abzubauen, könnte die durchdrehenden Räder seines Aktienkurses endlich zum Halten bringen.

Associated Press

Ford-Mitarbeiter beim Verlassen des Werks im britischen Southampton. Die Fabrik soll wie zwei weitere geschlossen werden.

Die Aktie des Konzerns kostete am Mittwoch fünf Prozent weniger als zu Jahresbeginn. In der gleichen Zeit ist der breite Markt, gemessen am Aktienindex S&P 500, um zwölf Prozent gestiegen. Der Unterschied ist ziemlich unbefriedigend für das Unternehmen, vor allem, wenn man sieht, dass auf dem Heimatmarkt in diesem Jahr 6,4 Prozent mehr Autos verkauft wurden. Doch angesichts der Lage in Europa ist das keine Überraschung.

Die Kombination von branchenweiten Überkapazitäten und Rezession lässt die Europa-Sparte von Ford ein tiefes Loch in die Konzernbilanz reißen. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass dort in diesem Jahr vor Steuern ein Fehlbetrag von 1,3 Milliarden Dollar verbucht wird. Ford selbst beziffert das wahrscheinliche Loch auf 1,5 Milliarden Dollar.

Wie die Konkurrenz von General Motors hat das Unternehmen bis Mittwoch zwar mit markigen Worten, aber kaum mit Maßnahmen zur Reparatur der Schwachstelle geglänzt. Der Konzern, der seine Belegschaft in Nordamerika zwischen 2006 und 2008 um 40 Prozent verkleinerte, hat in Europa immer noch ungefähr so viele Mitarbeiter wie vor fünf Jahren.

Die Ankündigung, die Fabriken im belgischen Genk sowie die britischen Werke Southampton und Dagenham zu schließen, zeigt jetzt, dass Ford durchgreift und nicht nur auf das heiß ersehnte Ende der Rezession in Europa wartet. Barclays -Analyst Brian Johnson, der für die Sparmaßnahmen Kosten von 1,2 Milliarden Dollar veranschlagt, schätzt die Auslastung des Herstellers bis zum Jahr 2015 auf 85 Prozent. Ohne die Schließungen würden es nach seiner Rechnung nur 71 Prozent sein.

Wenn die Investoren das Gefühl bekommen, dass die europäischen Probleme eingedämmt werden, könnten sie auch die aufgehellte Perspektive in den USA wahrnehmen. Dort erholt sich mit dem Häusermarkt das Verbrauchervertrauen und weitere Umsatzzuwächse sind wahrscheinlich. Das könnte auch den Ford-Aktien die schon lang benötigte Runderneuerung verpassen.

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