Von HANS BIELEFELD
Chaebol, reiche Clans, so nennen die Koreaner ihre Mischkonzerne. Unter ihnen ist der heutige Apple-Rivale Samsung die unangefochtene Nummer eins. Die innovativen Smartphones, mit denen die Südkoreaner dem iPhone-Hersteller aus Kalifornien seit kurzem Marktanteile abjagen, sind bei dem verflochtenen Familienkonzern die Krönung einer ehrgeizigen Unternehmensstrategie. Samsung ist diszipliniert und kompromisslos. Vor allem aber ist es eines der aggressivsten Unternehmen der Welt.
Gestartet hat Samsung sein Geschäft Ende der 30er-Jahre mit dem Handel von getrocknetem Fisch, Gemüse und Obst. Bevor der heutige Technologiegigant die Welt mit seinen Haushaltsgeräten, Computerchips und Handys überschwemmt, steigen die Südkoreaner zunächst in die Herstellung von Grundnahrungsmitteln wie Zucker und Mehl ein.
Samsungs Geschichte in Bildern
Den Weg zur technologischen Marktführerschaft beginnt Samsung in den 70er-Jahren mit der Produktion von Schwarzweißfernsehern. Nach und nach bauen die Alleskönner ihre Produktpalette immer weiter aus. Von Waschmaschinen über Kühlschränke, Chemikalien und Schiffe stellt Samsung fast alles her. Immer treu dem Motto: Kopiere, lerne, verbessere bauen die Koreaner in den 80er Jahren auch PCs, Videorekorder und Klimaanlagen.
Dabei profitierte der Konzern jahrzehntelang von einem abgeschotteten Heimatmarkt. Gestützt von staatlich garantierten Krediten und der schwachen Heimatwährung erobern die Südkoreaner mit ihren Produkten nach und nach die Weltmärkte.
Umschwung in den 80ern
Ende der 80er-Jahre kommt es bei Samsung zum Stabswechsel. Kun-Hee Lee übernimmt nach dem Tod seines Vaters die Leitung des Familienunternehmens. Er will Samsung komplett umbauen und aus dem Chaebol einen weltweit führenden Elektronikkonzerne schmieden. Dafür will sich der ehrgeizige Manager zunehmend auf selbstentwickelte Produkte konzentrieren und gründet dafür das Forschungs- und Entwicklungszentrums Samsung Advanced Institute of Technology.
Seither steigt Samsung in neue Märkte immer mit der gleichen Strategie ein: schneller sein als die Konkurrenz, viel investieren und schließlich den Markt mit Samsung-Produkten überschwemmen.
Mit diesem Modell setzte sich der Chaebol an die Spitze der TV-Flachbildschirme und Anfang des Jahres vermeldete der Konzern auch auf dem Handymarkt Vollzug. Im ersten Quartal lösten die Südkoreaner sowohl Nokia als weltweit größten Handyhersteller als auch Apple als Nummer Eins unter den Smartphoneherstellern ab.
Erzfeind Sony hinter sich gelassen
Samsung hat es wie kein Zweiter geschafft, sich die digitale Revolution zunutze zu machen: In weniger als zwei Jahrzehnten hat sich der Mischkonzern zum führenden Elektronikunternehmen der Welt gemausert. Den Erzfeind aus Japan, Sony, der lange als unbezwingbar galt, hat Samsung längst hinter sich gelassen.
Dabei haben die Südkoreaner gegen fast alle gängigen Regeln westlicher Unternehmensstrategie verstoßen. Das südkoreanische Familienkonglomerat konzentriert sich weder auf ein Kerngeschäft, wie es die zahlreichen Managergurus immer wieder predigen, noch ist das südkoreanische Unternehmen transparent und lagert zudem, anders als Rivale Apple, auch kaum Prozesse aus.
Kontakt zum Autor: hans.bielefeld@wsj.com



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