• The Wall Street Journal

Die 100-Milliarden-Dollar-Frage

Was ist Facebook wert? Die Antwort auf diese Frage wird von Wachstum und Werbung abhängen.

[face_grafi] Reuters

Während sich die Investoren tief in den Börsenprospekt von Facebook einarbeiten, zirkulieren bereits eine Reihe möglicher Bewertungen für Facebook. Zwischen 50 und 125 Milliarden Dollar ist alles dabei.

Es wird noch Monate dauern, bis der Markt den angemessenen Wert der Aktie gefunden hat. Doch die Diskussionen über die Bewertung des Internet-Startups zeigen bereits heute, dass zwei Fragen entscheidend sein werden: Wie schnell kann das Unternehmen wachsen? Und kann es mit Werbung so hohe Umsätze erzielen wie von Zuckerberg und Co. geplant?

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Das Unternehmen selbst bleibt beim Börsenwert relativ bescheiden. Im Bild: Meetingraum in der Unternehmenszentrale von Facebook in Menlo Park im US-Bundesstaat Kalifornien.

Facebook selbst bewertet sich relativ konservativ. Die Mitarbeiteraktien sieht die Firma bei knapp 30 Dollar. Hochgerechnet würde dies einen Börsenwert von 74 Milliarden Dollar bedeuten. Die Zahlen stammen allerdings aus einer Zeit, als der Aktienmarkt gerade schwächelte und einige Internet-Aktien unter Druck gerieten.

Zahlenspiele rund um die Facebook-Aktie

Seitdem kletterte der Preis der Facebook-Aktien auf privaten Handelsplattformen wie Sharespost oder Second Market auf 32 bis 33 Dollar – immerhin eine Bewertung von 81 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa einer Marktkapitalisierung am unteren Ende der möglichen Preisspanne beim Börsengang. Die Obergrenze soll nach Aussagen von Insidern bei 100 Milliarden Dollar liegen.

Ob diese Bewertung erreicht wird, hängt stark vom weiteren Wachstum Facebooks ab. Allgemein gilt das Wachstum eines Unternehmens ab 50 Prozent jährlich als schnell. Facebooks Umsatz kletterte 2011 um 88 Prozent, der Nettogewinn um 65 Prozent. Doch trotz der hohen Zahlen gelang Facebook in der Vergangenheit bereits ein kräftigeres Wachstum: Zwischen 2009 und 2010 wuchs das Unternehmen um 154 Prozent – im vergangenen Jahr dagegen nur noch um 88 Prozent.

Francis Gaskins von Analyst bei IPOdesktop.com glaubt, dass Facebook nicht mehr wert ist als 50 Milliarden Dollar. Das wäre das Fünfzigfache des Gewinns aus dem vergangenen Jahr und damit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das drei Mal so hoch ist wie das des Gesamtmarkts. Die Gewinne von Google übersteigen die von Facebook um das Zehnfache. Trotzdem sei Google am Aktienmarkt nur 190 Milliarden Dollar schwer, argumentiert der Analyst.

Andere Analysten verweisen auf Googles geringeres Wachstum – Gaskins verweist auf das ebenfalls unspektakuläre Wachstum bei Facebook. Ein Vertreter von Facebook nahm dazu keine Stellung.

Analyst: Google war 2004 bei Anzeigen weiter als Facebook heute

Martin Pyykkonen von der Investmentboutique Wedge Partners ist da schon optimistischer: Er glaubt, dass die Facebook-Aktie im Bereich des 15 bis 18-fachen des erwarteten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2012 gehandelt werden könnte. Etablierte Unternehmen würden stattdessen Börsenbewertungen mit dem Acht- bis Zehnfachen des Ebitda-Gewinns erreichen. Bei Microsoft liegt dieses Verhältnis bei sieben, bei Google bei zehn, erklärt der Analyst.

Obwohl diese Rechnung lediglich für einen Börsenwert von 81 Milliarden Dollar spricht, sieht Pyykkonen weitere Wachstumspotential im Anzeigengeschäft. Dies könne dann eine Bewertung in Höhe des zwanzigfachen Ebitda-Gewinns – also rund 110 Milliarden Dollar – rechtfertigen.

Ein mögliches Hindernis für satte Gewinne im Anzeigengeschäft ist nach Ansicht von Analysten der Umstand, dass 80 Prozent der Facebook-Nutzer außerhalb der USA leben. Der Online-Werbemarkt ist dort häufig nicht so weit entwickelt. Außerdem würden die Nutzer außerhalb der USA Facebook oft ausschließlich auf Mobiltelefonen nutzen – Werbeanzeigen können hier nicht so gut dargestellt werden.

Im direkten Vergleich zwischen Facebook und Google zieht Facebook nach Ansicht von Steven Weinstein vom Analysehaus ITG den Kürzeren. Googles Anzeigengeschäft sei zu Zeiten des Börsengangs 2004 deutlich weiter entwickelt gewesen als das bei Facebook heute der Fall ist.

Sind die persönlichen Daten der Schlüssel zum Erfolg?

Analyst Craig Huber verweist hingegen auf die Bewertung des bereits börsennotierten Geschäfts-Netzwerks LinkedIn, ebenfalls eine Social-Media-Plattform. Dieses sei derzeit mit dem dreißigfachen des diesjährigen Cashflows bewertet. Würde man dies auf Facebook übertragen, könnte das Unternehmen 125 Milliarden Dollar wert sein, meint Huber.

Umfrage

„In anderen Worten", schrieb er in einer Mitteilung an seine Kunden, „eine Bewertung über 100 Milliarden Dollar sollte für Facebook nicht sehr schwer sein" und verwies auf die guten Aussichten für das Unternehmen und die große Nachfrage nach der Aktie.

Sollte Facebook wirklich 100 Milliarden Dollar wert sein, preist der Markt nach Ansicht von Michael Pachtner für die Zukunft ein jährliches Betriebsergebnis von 10 Milliarden Dollar ein. 2011 erreichte Facebook lediglich 1,7 Milliarden Dollar. Ein solches Wachstum sei für Facebook allerdings zu schaffen, glaubt der Analyst – wenn das Unternehmen persönliche Daten dazu nutzt, um Werbeanzeigen stärker auf die Nutzer zuzuschneiden.

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