Von GEOFFREY SMITH
Wie immer in der letzten Woche im Januar zieht ein kleines Tal in der Schweiz tausende Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an. Am Mittwoch beginnt das Weltwirtschaftsforum in Davos.
Über 1600 Manager und 900 Vertreter aus Politik und Gesellschaft machen sich nach Davos auf, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und künftige Herausforderungen. Zu den Hauptthemen in diesem Jahr werden neben Europas Schuldenkrise auch die Revolutionen im Nahen Osten und die Tsunami-Katastrophe in Japan gehören.
In Schwellenländern regiert der Optimismus
Wie schon während der vergangenen Jahre treffen in Davos Vertreter aus Schwellenländern auf Entscheidungsträger aus Industrieländern. Befragungen haben ergeben, dass Davos in diesem Jahr auch das Zusammentreffen von Optimismus und Pessimismus ist. 47 Prozent der Manager aus Schwellenländern erwarten von diesem Jahr positive Entwicklungen, Vertreter aus Industrieländern teilen diese Stimmung nur zu 14 Prozent.
Sicher ist, dass es einmal mehr zu scharfen Diskussionen zwischen Bankern und Politikern kommen wird. Die Streitfrage lautet: Wer hat Schuld an der Schuldenkrise?
„Während die Welt immer komplexer wird und die Staaten zunehmend voneinander abhängen, steigen auch die Risiken", sagt der Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. Eine Studie, die er gemeinsam mit Unternehmen aus der Finanzbranche veröffentlicht hat, belegt seine These.
Darin erwähnt werden etliche Risiken für die Weltwirtschaft. Von Cyber-Terrorismus, schwindenden Wasserreserven und dem demographischen Wandel in den Industrienationen mit dem Worst-Case-Szenario eines Zusammenbruchs der westlichen Gesellschaften ist da die Rede.
Merkel eröffnet Wirtschaftstreffen
Nicht nur, weil es ohnehin zum Geschäft von Finanzkonzernen und hier vornehmlich Versicherern gehört, wirtschaftliche Risiken zu thematisieren: Eine sehr reale Gefahr war in jedem Fall ein großes Thema in Davos sein – die Gefahr eines Zusammenbruchs der Eurozone. Citigroup-CEO Vikram Pandit hat erst kürzlich davor gewarnt, dass die Eurokrise die Wirtschaftsleistung der USA erheblich belastet. Zwischen 0,5 und 1,5 Prozentpunkte des Wachstums beim US-Bruttoinlandsprodukt könnte sie in diesem Jahr kosten.
Am Mittwoch wird Bundeskanzlerin Angela Merkel das diesjährige Gipfeltreffen der Wirtschaftseliten dieser Welt mit einer Rede eröffnen. EZB-Präsident Mario Draghi wird am Freitag in dem Schweizer Kurort zugegen sein.
Während in Davos über die Risiken diskutiert wird, strotzen die Finanzmärkte vor Optimismus: Der Dow-Jones-Industrial-Index steht angetrieben von guten Wirtschaftsdaten aus den USA kurz vor einem Vierjahreshoch. Anleger setzen auf eine positive Konjunkturentwicklung in China und eine wenigstens vorläufige Beruhigung der Eurokrise.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de



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