Von ANNA MOLIN
STOCKHOLM – Der schwedische Möbelriese Ikea will seinen Umsatz bis 2020 um bis zu 85 Prozent steigern. Dann sollen auch mehr als doppelt so viele Leute jährlich die Läden besuchen wie heute. Der Umsatz von Ikea soll dann zwischen 45 und 50 Milliarden Euro liegen. Für das am 31. August zu Ende gegangene Fiskaljahr werden mit 26,9 Milliarden gerechnet.
Das Filialnetz soll bis 2020 von heute 300 auf etwa 500 Möbelhäuser wachsen. Statt 131.000 Mitarbeitern sollen dann 200.000 Angestellte beschäftigt werden, die Zahl der Kunden pro Jahr soll von 655 Millionen auf 1,5 Milliarden steigen.
Diese neuen Prognosen wurden am Dienstag im Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens veröffentlicht. Im September hatte Firmenchef Mikael Ohlsson im Interview erklärt, dass er in den kommenden acht Jahren das Tempo der Ladeneröffnungen verdoppeln wolle. Vor allem in den USA und in schnell wachsenden Märkten wie China wolle Ikea mehr Präsenz zeigen. Ohlsson, der sich im kommenden Jahr zurückziehen will, erklärte, Ikea müsse ab 2014 jährlich zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro investieren, um die Wachstumspläne zu realisieren.
Niedrige Preise und Selbstbaumöbel
Ikea, zu dessen Markenzeichen niedrige Preise, die großen blau-gelben Einrichtungshäuser und die Möbel zum Selbstzusammenbauen gehören, ist bereits in den vergangenen Jahren Erstaunliches gelungen. Trotz einer unsteten Weltwirtschaft melden die Schweden Gewinn- und Umsatzsteigerungen in Serie.
Ikea expandiert vor allem in Schwellenländern, hat aber noch Schwierigkeiten, dort überall die Kunden mit dem typisch skandinavischen Design zu begeistern. Angesichts der steigenden Material- und Arbeitskosten muss das Unternehmen auch neue Wege finden, seine niedrigen Preise beizubehalten.
Clare Rayner, unabhängige Einzelhandelsanalystin aus Großbritannien, sagt, dass Ikea mit seinen Plänen den weltweiten Möbelmarkt verändern wird. „Jedes Mal, wenn Ikea einen neuen Markt betritt, sichern sie sich Marktanteile", sagt sie. „Andere Händler haben guten Grund, ängstlich zu sein." Auch in Großbritannien habe Ikea „große Teile des Marktes" an sich gerissen.
Matthew Stych vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail hält die Ziele von Ikea für „weitgehend realistisch". Man müsse sich aber noch mehr um den Internethandel bemühen. „Ikea hält mit der wachsenden Beliebtheit von Online-Einkäufen nicht Schritt." Das Unternehmen müsste vielleicht seine ehrgeizigen Pläne zum Ausbau des Filialnetzes überdenken und mehr in die Online-Infrastruktur investieren.
Ikea wartet zurzeit noch auf die Genehmigung der örtlichen Behörden, um sein erstes Möbelhaus in Indien eröffnen zu können. Im Juni hatten die Schweden beantragt, 1,5 Milliarden Euro in 25 Standorte im ganzen Land investieren zu dürfen.
Mit Energiesparlampen nachhaltiger werden
In dem am Dienstag vorgelegten Bericht heißt es auch, Ikea müsse sein Geschäft auf ein nachhaltigeres Modell bauen, in dem Umweltfragen und soziale Verantwortung eine starke Rolle spielen: „Ikea bekennt sich seit vielen Jahren zur Nachhaltigkeit, und wir sind entschlossen, den nächsten großen Schritt zu gehen."
Bis zum Ende des Fiskaljahrs 2020 sollen viermal so viele Produkte verkauft werden, die als „nachhaltig" eingestuft werden, wie heute. Das bedeutet, dass Ikea den Einkauf von Holz, Baumwolle und anderen Materialien umorganisieren muss. Das ist eine große Herausforderung für die Einkaufsmanager, die gleichzeitig immer die Kosten im Blick behalten müssen. Ab dem Jahr 2016 verkauft Ikea nur energieeffiziente LED-Lampen und setzt diese auch in den eigenen Häusern ein.
Ikea gesteht zwar ein, dass einige der Nachhaltigkeitsmaßnahmen die Kosten steigern, rechnet aber damit, dass Recycling oder Energieeffizienz auch Ersparnisse bringen.
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