Von NICO SCHMIDT
Der Premiumautohersteller Audi richtet sich in Amerika auf weiteres Wachstum ein. Nicht nur in diesem Jahr, sondern auch 2013 wollen die Ingolstädter in den USA und auf dem wichtigen brasilianischen Zukunftsmarkt zulegen, wie der Vertriebschef für die Region, Sebastian Mackensen, in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland am Rande der Automesse in São Paulo sagte.
Die Region spiele eine wichtige Rolle bei Audis Ziel, zum weltweit größten Hersteller von Oberklasseautos zu werden. Der Absatz in Südamerika soll laut Mackensen bis 2020 mehr als verdoppelt werden, und in den Vereinigten Staaten soll er bis spätestens dahin auf deutlich über 200.000 Verkäufe zulegen, nach etwa 117.000 im vergangenen Jahr.
Schon in den vergangenen Monaten lief es für Audi in den USA besser als gedacht. In den ersten neun Monaten des Jahres verkauften die Ingolstädter dort gut 105.000 Autos - ein Plus von 18,5 Prozent und eine Bestmarke. Auch für den Oktober stellte Mackensen ein prozentual deutlich zweistelliges Wachstum in Aussicht. "Der Markt hält das Wachstumstempo".
In den USA liegt Audi noch hinter BMW und Mercedes
Auf Gesamtjahressicht will die Marke mit den vier Ringen rund 140.000 Autos in dem Land verkaufen, wie Mackensen bekräftigte. Weltweit sollen 1,4 Millionen Wagen losgeschlagen werden, auch das wäre ein neuer Rekord.
2012 könnte Audi damit erstmals einen zweistelligen Marktanteil im US-Oberklassesegment erreichen. In den Vereinigten Staaten liegt die VW-Tochter allerdings immer noch ein gutes Stück hinter den Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz.
Dabei waren die Oberbayern bis Mitte der 1980er Jahre auf dem US-Markt sehr erfolgreich. Doch dann kam es zu einer Reihe von mysteriösen Unfällen mit dem extra für den dortigen Markt aufgelegten Audi 5000 - der Imageschaden war enorm. Die Verkaufszahlen brachen ein und konnten sich erst viele Jahre später von dem herben Rückschlag erholen.
Eine wichtige Weiche für die Aufholjagd auf die Rivalen hat Audi mittlerweile mit der Entscheidung für einen eigenen Produktionsstandort in Nordamerika gestellt. Ab 2016 wollen die Ingolstädter den Sportgeländewagen Q5 in San José Chiapa, etwa 200 Kilometer südöstlich von Mexiko City, produzieren. Bis zu 150.000 Autos sollen in dem Werk pro Jahr vom Band rollen.
Die Konkurrenten sind da schon deutlich weiter: Oberklasse-Primus BMW fertigt schon seit Jahren in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina und Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz im US-Bundesstaat Alabama.
Mit dem eigenen US-Werk rückt Audi nicht nur näher an den Kunden. Auch in Sachen Profitabilität ist die lokale Wertschöpfung wichtig, da Transporte teuer sind und Wechselkursschwankungen bei Exporten in die USA außerdem voll auf das Ergebnis durchschlagen. Denn die Kosten für die vor allem in Deutschland gefertigten Autos fallen vornehmlich in Euro an, die verkauften Wagen werden jedoch in US-Dollar bezahlt.
Auch China, Russland und Indien sind Hoffnungsträger
Mit Blick auf den wichtigen brasilianischen Zukunftsmarkt sagte der Chef von Audis Landesgesellschaft, Leandro Radomile, trotz der schwierigen Marktbedingungen werde Audis Absatz 2012 hier um rund vier Prozent zulegen. Die schwächelnde Konjunktur und eine hohe Steuer auf importierte Fahrzeuge hatten der Branche zu Jahresbeginn zu schaffen gemacht. Audi habe den eigenen Marktanteil aber deutlich gesteigert. Deshalb könne das Jahr 2012 angesichts der Umstände als Erfolg verbucht werden, erklärte der Manager.
Brasilien gilt gemeinsam mit den anderen BRIC-Staaten Russland, Indien und vor allem China als einer der wichtigsten automobilen Hoffnungsträger. Experten sehen großes Wachstumspotenzial, nicht zuletzt für die Hersteller von Oberklasseautos. Gründe sind unter anderem die wachsende Wirtschaft und der zunehmende Wohlstand in der Bevölkerung. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt, dass 2017 zwischen 180.000 und 190.000 Luxusautos in Brasilien verkauft werden könnten. 2008 und 2009 war es gerade ein Viertel davon.
Audi brachte im vergangenen Jahr rund 5.500 Autos an die brasilianischen Kunden. Das entspricht einem Plus von gut zwei Dritteln und einer Verdreifachung der Verkaufszahlen aus dem Jahr 2008.
2013 wird es laut Brasilien-Chef Radomile weiter bergauf gehen für Audi - obwohl die Großwetterlage unsicher bleibt. Die Zahl der Händler soll vor diesem Hintergrund von 27 am Jahresende auf 32 im kommenden Jahr steigen.
Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com







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