• The Wall Street Journal

Die Welt braucht Banken - Banken brauchen Wandel

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"Die Bankenbranche erlebt derzeit einen Paradigmenwechsel. Erfolg in der alten Finanzwelt sagt wenig darüber aus, ob jemand auch in der neuen erfolgreich sein kann." Das sagte Josef Ackermann kurz vor seinem Abschied im Gespräch mit der Zeitung „Die Zeit". Was er damit konkret meinte, ließ Ackermann in dem Gespräch offen. Etwas konkreter wurde Herbert Walter, der letzte Chef der Dresdner Bank, im April in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt: „Im Internet wächst eine neue Herausforderung für Finanzinstitute heran. Die Kreditvergabe wird verlagert, das Geld kommt direkt aus dem Netz. Die Bank wird überflüssig", schrieb er. Bei diesen Worten fühlt man sich unweigerlich an Bill Gates erinnert. Der hat vor über 10 Jahren den fast legendären Satz gesprochen: "Banking is necessary, banks are not."

Bill Gates hatte Unrecht. Auch heute dominieren Banken die Wirtschaft. Und die Schlagzeilen der Finanzpresse sind voll mit Meldungen über die Branche. Was man jedoch selten liest, sind Meldungen über Innovationen im Finanzsektor. Böse Zungen behaupten gar, die letzte große Neuerung im Banking sei der Kontoauszugsdrucker gewesen.

Diese Sichtweise ist freilich etwas zu zynisch. Jenseits der Welt der Bankenkrisen und Finanzskandale einen bunten Kosmos an Veränderungen bei den Financial Services im Privat und Firmenkundengeschäft. Man muss nur genau hinschauen.

Banken tun sich schwer mit der digitalen Welt

Diese Kolumne, die heute erstmals auf WSJ.de erscheint, soll Ihnen diese – oft versteckten - Veränderungen im Finanzwesen näher bringen. Sie werden dabei auf bekannte große Unternehmen ebenso treffen wie auf unbekannte ambitionierte Startups, die bereits begonnen haben, der Branche ein neues Gesicht zu geben.

Viele Banken tun sich zwar noch schwer mit der neuen digitalen Wirklichkeit, wie Florian Semle und ich in einer Beitragsreihe im PR-Blogger geschildert haben. Über die Gründe haben wir damals bereits viel philosophiert, sie werden auch hier immer wieder eine Rolle spielen. Aber wir sind schon jetzt Zeuge eines Wandels, der die Aussagen Ackermanns und Walters bestätigt.

Es wird Zeit, dass dieser Wandel nicht allein durch die auf Fachkongressen und Medienbeiträge dominierende institutionelle Brille betrachtet wird. Dort geht es vorwiegend um Fragen, wie das Finanzwesen sicherer gemacht werden kann, Eigenkapital- und Liquiditätsprobleme gelöst werden oder das margenträchtige Geschäft ausgeweitet werden kann. Ohne Zweifel sind das zentrale Punkte für das Finanzwesen. Aber noch zu selten wird die Frage gestellt, mit welchen Produkten dies geschehen kann, welche Form von Finanzdienstleistungen die Kunden eigentlich wollen und wie die Banken diese für die neue digitale Realität weiterentwickeln können - und müssen.

Ein gutes Beispiel ist der Bereich der mobilen Bezahlsysteme. Hier dominieren nicht die Banken das Geschäft, sondern Unternehmen aus dem IT- und Telekommunikationssektor. Einige der neuen Mitspieler – wie etwa der Suchmaschinenriese Google – haben sich mittlerweile Banklizenzen besorgt, um so auch den regulatorischen Anforderungen in diesem Segment zu genügen.

Pfiffige Ideen in den sozialen Netzwerken

Aber auch aus Social Media-Instrumenten entwickeln pfiffige Unternehmen jenseits des hochgejazzten Netzwerks Facebook ernsthafte Anwendungen für Financial Services.

Genau weiß heute keiner, wie ein Paradigmenwechsel im Finanzsektor aussehen könnte. Thomas Dapp vom Research der Deutschen Bank hat sich im vergangenen Jahr in einer bemerkenswerten Studie mit dem Paradigmenwechsel hin zur digitalen Gesellschaft befasst, darin leider aber den Finanzsektor ausgespart. Er schrieb dazu jüngst in einer Zusammenfassung:

„Politik und Wirtschaft werden zunehmend gezwungen, sich mit den neuen Paradigmen im Netz (z.B. Öffnungsprozesse in Wertschöpfungsnetze) und mit einem besser informierten Bürger konstruktiv auseinanderzusetzen. Alle Akteure können davon profitieren und dazulernen. Es entstehen experimentelle Organisationsformen sowie moderne Arbeitsweisen, die den Menschen mehr interaktive Mitgestaltung ermöglichen. Die Menschen im Netz stimulieren z.B. im Bereich Open Innovation oder Open Government durch externes Wissen und neue Ideen Innovations- und Wertschöpfungsprozesse."

Dieser Paradigmenwechsel hat viele Konsumenten und Medien längst erreicht. Immer mehr Unternehmen setzen sich mittlerweile mit den Konsequenzen für die Produktion, Dienstleistungen Organisation und Kommunikation auseinander und denken ihre Prozesse und Kundenbeziehungen neu. Die Finanzwelt hat länger gebraucht, doch nun beginnt man sich auch hier Gedanken zu machen, mit welchen neuen Geschäftsmodellen - unter Berücksichtigung der regulatorischen Lasten – überhaupt noch Geld verdient werden kann.

In nahezu allen Geschäftsfeldern, in denen die Banken aktiv sind, haben kreative Köpfe damit begonnen, ihre Ideen auszusähen (eine regelmäßig aktualisierte Übersicht gibt es hier). Heute wissen wir nicht, welche Saat davon aufblühen wird. Aber diese Kolumne wird das Wachstum begleiten und darüber berichten, welche Ideen sich durchsetzen.

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Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. 2008 hat er den Blick Log gegründet, der 2012 zum Finanzblog des Jahres gekürt worden ist. Ein Schwerpunkt des Blogs sind Themen aus der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und Neuerungen im Banking.

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