Von JÖRGEN CAMRATH
Jetzt hat Microsoft nun also einen eigenen Tablet-PC vorgestellt. Wenn man es richtig betrachtet, sind es sogar gleich zwei. Im Gegensatz zum großen Konkurrenten Apple will der US-Konzern mit verschiedenen Modellen unterschiedliche Zielgruppen erreichen. Ein Schritt, der zumindest gewagt erscheint. Denn während sich Apples iPads grundsätzlich nur durch die Speicherkapazität und die Möglichkeit, neben Wi-Fi auch im Mobilfunknetz zu surfen, unterscheiden, schlägt Microsoft mit seinen zwei Surface-Modellen einen anderen Weg ein – und könnte damit teilweise Erfolg haben.
Surface RT - Das Massen-Tablet
Zunächst gibt es die „kleinere" Variante. Sie soll sich vor allem an Privat-Anwender richten und Platzhirsch Apple Marktanteile streitig machen. Auf dem Tablet wird das Betriebssystem Windwos RT zum Einsatz kommen. Das Einsteiger-Modell verfügt über zwei Kameras, wiegt mit 676 Gramm nur etwas mehr als das iPad und ist mit einer Dicke von 9,3 Millimeter sogar etwas dünner als der Konkurrent.
Das Display des Windows-Tablets fällt mit 10,6 Zoll größer aus als bei iPad oder Galaxy Tab und soll über eine HD-Auflösung verfügen. Das würde für 1.280 mal 720 Pixel sprechen. Zum Vergleich: Das neue iPad kann mit 2048 mal 1536 Pixeln auftrumpfen. Speicher für Videos und Musik ist hingegen ähnlich wie beim iPad ausreichend vorhanden: Das Surface soll in Varianten mit 32 und 64 GB auf den Markt kommen.
Surface Pro - Die Firmen-Variante
Zwar konzentrierten sich Microsoft-Chef Steve Ballmer und Entwicklungsleiter Steven Sinofsky bei der Präsentation am Montag vor allem auf die „kleinere" Variante, doch am Ende des Tages war klar: Microsoft will mit einer Profi-Variante auch im Unternehmensbereich Fuß fassen. Obwohl Windows weltweit immer noch das Betriebssystem Nummer eins ist, musste der US-Konzern bislang dabei zusehen, wie Apple sich mit seinen iPads auch dort immer mehr breitmachte. Was also tun?
Es scheint, dass man sich diese Frage bei Microsoft mit vier Worten beantwortet hat: nicht kleckern, sondern klotzen. Die Premium-Version des Surface-Tablets wird mit Windows 8 Pro laufen. Über 900 Gramm soll es wiegen und 13,5 Millimeter dick sein. Damit eignet es sich vermutlich kaum zum Lesen eines eBooks am Strand oder zum Zeigen von Fotos in der Bahn. Vielmehr könnte die Pro-Variante langfristig eine Alternative zum Arbeitsrechner werden, denn auch die Bildschirmauflösung ist höher, als bei der RT-Variante. Beim Surface Pro hat Microsoft ein 10,6 Zoll Full-HD-Bildschirm verbaut. Dieser kann 1.920 mal 1.080 Pixel darstellen, liegt damit jedoch immer noch hinter der Auflösung des neuen iPad.
Mit seinen Maßen ähnelt die Pro-Variante eher einem Notebook denn einem Tablet. Und mit dem ebenfalls am Montag vorgestellten Zubehör könnte es gut sein, dass dies auch der Schritt ist, den man bei Microsoft gehen will. Denn mit dem eingebauten Standfuß und den Schutzhüllen, die über eine Tastatur verfügen, könnten die Tablets all den Laptops, Netbooks und Ultrabooks, die heute noch in den Büros stehen, tatsächlich den Rang ablaufen. Das hat nämlich bislang nicht mal Apple geschafft.
Fazit
Mit dem Massen-Tablet wird Microsoft vermutlich wenig Erfolg haben. Viel zu gefestigt ist die Position von Marktführer Apple derzeit. Viel zu groß ist der Vorsprung, den die Konkurrenz auch technisch noch hat. Und wenn das Surface-Tablet im Herbst auf den Markt kommt, wird es vermutlich erst recht veraltet sein.
Umfrage
Ein ähnliches Problem wie Microsoft jetzt hatte vor ein paar Jahren Palm. Als dessen vielgelobtes Handy Palm Pre Monate nach der Vorstellung schließlich auf den Markt kam, da war die Konkurrenz schon wieder einen Schritt weiter. Was zu Beginn innovativ klang, war am Ende kaum noch ein Verkaufsargument. Microsoft muss aufpassen, dass ihnen nicht etwas ähnliches passiert.
Glücklicherweise fährt der Konzern zweigleisig. Mit der Edel-Variante seines Tablets könnte das Unternehmen tatsächlich Erfolg haben. Denn auch Apple ist es bislang nicht gelungen, sein iPad als ernsthafte Alternative zu Laptop oder Ultrabook zu positionieren. Noch sind Tablets vor allem eins: ein weiteres Gadget, ein weiteres Arbeitsmittel. Sollte sich das Surface-Tablet jedoch tatsächlich als vollwertiger Ersatz zum Arbeitsrechner erweisen, dann könnte Microsoft tatsächlich ein Lucky-Punch gelungen sein.
Kontakt zum Autor: jorgen.camrath@wsj.com









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