Von JOE LIGHT
Viele Anleger sind sich vermutlich sicher, den verlustreichen Börsengang von Facebook erfolgreich umschifft zu haben. Trotzdem könnte es sein, dass sie an dem sozialen Netzwerk beteiligt sind. Und zwar über offene Investmentfonds und ETFs.
In den USA haben mindestens 160 der offenen und börsengehandelten Investmentfonds im Mai Anteile an Mark Zuckerbergs Imperium gekauft – darunter Fonds von so etablierten Geldhäusern wie Fidelity Investments, Morgan Stanley und Oppenheimer Funds. Das ergeben Recherchen des Investment-Informationsdienstleisters Morningstar im Auftrag des Wall Street Journals.
Die Facebook-Aktie ging am 18. Mai für 38 US-Dollar an die Börse. Schnell ging es nach unten. Am 6. Juni lag der Wert bei 25,52 US-Dollar, bevor der Titel sich wieder zu erholen begann. Zuletzt wurde die Aktie bei 31,73 US-Dollar gehandelt.
Manche Fonds legen ihre Investments vierteljährlich offen, manche monatlich. In keinem der beiden Fälle kann nachgezeichnet werden, welcher Fonds die Facebook-Aktien beim Börsengang gekauft und bis zu ein Viertel seines Geldes verloren hat – und welcher später zugriff, als der Wert schon gefallen war. Klar ist aber, dass etwa Morgan Stanley, die als Konsortialbank den Börsengang eingefädelt hat, Ende Mai kräftig in Zuckerbergs Netzwerk investiert hatten. Mindestens sieben Fonds der Firma hatten mehr als fünf Prozent ihres Geldes in Facebook gesteckt. Das ist etwa das 50-fache vom Anteil, den die Aktie im Russell-1000-Index hat.
Eine „wahnsinnige Zockerei" nennt das Michael Kalscheur, Anlage-Planer bei der Finanzberatung Castle Wealth Advisors im US-Bundesstaat Indiana. Es liege nahe, das einige der Investoren es auf einen „schnellen Anstieg abgesehen haben, den sie aber nicht bekamen", kommentiert Russel Kinnel, der beim Recherchedienstleister Morningstar für die Fonds zuständig ist.
Was die Sache noch brisanter macht: Viele der Fonds, die zugegriffen haben, sind ganz und gar nicht auf Technologie-Werte mit Wachstumsfantasie spezialisiert. Im Gegenteil: Einige der Fonds konzentrieren sich auf Value-Werte mit, relativ zum Ertrag, niedrigen Aktienpreisen. Oder auf Titel mit hohen Dividenden. Facebook ist von beidem weit entfernt.
So hat etwa der J.P. Morgan Intrepid Value Fonds knapp 40.000 Facebook-Aktien im Mai gekauft – auch wenn auf der Website des Fonds steht, dass er sich auf Titel mit niedrigem Preis und hohen Erträgen konzentriert. Der Principal LargeCap Value Fonds hat sogar mehr als 124.000 Anteile gekauft. „Unverständlich" nennt Finanzberater Rob Moody von Compass Advisors in Georgia diese Entscheidung, „weil der Preis der Aktie mit einem Value-Investment nichts zu tun hatte". Die Manager des Fidelity Divident Growth Fonds haben gut 167.000 der Facebook-Aktien gekauft – obwohl der Tech-Gigant die im Titel des Fonds erwähnte Dividende überhaupt nicht zahlt.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Associated Press




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