Von KIRSTEN BIËNK
Der Deutschen Lufthansa droht zum Ende der Hauptreisezeit ein empfindlicher Streik: Die Gewerkschaft der Flugbegleiter UFO hat 19.400 Kabinenmitarbeiter von Deutschlands größter Fluglinie zum unbefristeten Arbeitskampf aufgerufen. Schon ab Mittwoch kann es zu Flugausfällen kommen. Der Arbeitskampf soll nach Angaben der Gewerkschaft flächendeckend sein, welche Standorte der Lufthansa genau betroffen sind, wollte die UFO noch nicht bekanntgeben.
Zunächst wollen die Flugbegleiter nur für wenige Stunden an einigen Flughäfen ihre Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft will sich noch nicht festlegen, wann es zu den ersten Arbeitsniederlegungen kommt. Am Dienstag sind sie ausgeschlossen, am Mittwoch könnte es dann losgehen. Die Gewerkschaft will die Aktionen sechs Stunden vor Beginn ankündigen. Wenig Zeit für Lufthansa, alternative Flugpläne zu erstellen.
Zum Ferienende droht damit Chaos im deutschen Luftverkehr, Fluggäste müssen sich auf Ausfälle und Verspätungen einstellen.
Es ist zu erwarten, dass die Lufthansa bei einem Streik vor allem darauf achtet, dass die interkontinentalen Flüge durchgeführt werden, danach folgen die Flüge von und zu den Drehkreuzen. Innerdeutsche Verbindungen, die auch gut mit der Deutschen Bahn zurückgelegt werden können, dürften als erstes gestrichen werden. So jedenfalls agierte die Fluggesellschaft bei früheren Streiks. Die Kunden werden über eine Telefonhotline, das Internet, per SMS oder Facebook über die ausfallenden Flüge informiert.
Lufthansa startet und landet weltweit jeden Tag rund 1.800 mal. Bei einem flächendeckenden Streik rechnet die Airline mit dem Ausfall von bis zu 1.200 Flügen. Die restlichen 800 Flüge führen Regionalairlines wie Air Dolomiti für Lufthansa durch, die nicht von dem Tarifkonflikt betroffen sind. Würden alle Flüge ausfallen, würde Lufthansa zwischen 20 bis 30 Millionen Euro operativen Gewinn einbüßen, schätzt equinet-Analyst Jochen Rothenbacher.
Schadenersatz für gestrichene Verbindungen muss Lufthansa nicht leisten. Sie muss aber sicherstellen, dass die Fluggäste vom Start zum Ziel kommen und eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem muss sie bei Verspätungen und Flugausfällen für Unterkunft und Verpflegung sorgen.
UFO will mehr Gehalt und höhere Gewinnbeteiligung durchsetzen
Die Arbeitnehmer wollen mit diesem Streik ihrer Forderung nach mehr Gehalt und höherer Gewinnbeteiligung Nachdruck verleihen. In der Nacht zum Dienstag waren die zähen Verhandlungen zwischen der Lufthansa und der UFO gescheitert. "Wir sind ab heute im Arbeitskampf mit der Lufthansa", fasste UFO-Vorsitzender Nicoley Baublies die Situation zusammen. Die Hilfe eines Schlichters lehnte die Fluggesellschaft nach Angaben des Gewerkschaftschefs ab. Ein Schlichter hätte die Gespräche moderieren und einen Kompromiss vorschlagen sollen.
Mit den Streiks eskalieren die seit Monaten laufenden Gespräche der beiden Streithähne. UFO hatte im April 5 Prozent mehr Gehalt und eine höhere Gewinnbeteiligung gefordert. Das Angebot der Airline ist nach Angaben der Gewerkschaft wesentlich geringer.
Abgesehen von der Gehaltsforderung stritten sich die Parteien über den Einsatz von Leiharbeitern und die Ausgliederung von Beschäftigten in eine Billigtochter. An diesen beiden Punkten sind nach Angaben der Gewerkschaft die Verhandlungen gescheitert. "Die Lufthansa war nicht bereit, diese Themen in irgendeiner Form verbindlich mit uns zu regeln", sagte Baublies.
Die Fluglinie steht unter großem Druck. Billigflieger und Airlines aus den Golfstaaten nehmen ihr reihenweise Kunden ab. Die Gewinne schmelzen. Um neue Flugzeuge kaufen zu können, muss Lufthansa sparen. Bis 2015 will der Vorstand das operative Ergebnis um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigern.
Am Markt kam die Streiknachricht nicht gut an. Der Kurs der Aktie fiel bis etwa 15 Uhr um 1,5 Prozent auf 9,78 Euro. Analyst Rothenbacher bezeichnete einen flächendeckenden Arbeitskampf mit Verweis auf die hohen Kosten als katastrophal.
Zwar verkündete die Lufthansa, sie halte sie "alle rechtlichen Optionen offen". Doch verhindern können wird sie den Streik wohl nicht mehr. Welche juristischen Schritte die Lufthanseaten ergreifen wollen, sagten sie nicht. Das Unternehmen könnte beim Arbeitsgericht Frankfurt den Verbot des Streiks fordern. Mit diesem Schritt hatte Ende Februar der Flughafenbetreiber Fraport Erfolg, der damit einen Ausstand von Vorfeldfluglotsen verkürzte.
Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com






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