Von BEN WORTHEN
Unternehmen kaufen ihre technische Ausstattung immer häufiger bei Startups und anderen kleinen Firmen ein. Für die Giganten wie Hewlett-Packard und Oracle könnte das eine Zeit schwachen Wachstums einläuten.
Diese Veränderungen treiben Firmen wie Vanguard Health Systems voran, ein Gesundheitsunternehmen aus Nashville, Tennessee, das jährlich über ein Technologie-Budget in Höhe von gut 100 Millionen Dollar verfügt. Früher hielt sich Vanguard Health an einige wenige Technologieanbieter wie Microsoft und Cisco Systems . Doch vor kurzem hat Scott Blanchette, Chief Information Officer bei Vanguard, Software von einem drei Jahre alten Startup gekauft, um klinische Daten auszuwerten. Die Software von Explorys sei günstiger gewesen und könne schneller in Betrieb genommen werden, sagt er.
„Wenn ein großes Unternehmen wie wir mit einer großen Firma wie IBM zusammenarbeitet, geht es voraussichtlich eher langsam voran", sagt Blanchette. Vanguard Health gibt derzeit etwa 25 Prozent seines Tech-Budgets bei kleinen Firmen aus, doch in ein paar Jahren will Blanchette diesen Anteil näher an 50 Prozent heranbringen.
Video auf WSJ.com
Blanchette ist nicht der einzige CIO, der immer mehr Aufträge an kleinere Technologieanbieter vergibt. Viele sagen, kleinere Firmen stellten schneller auf neue Computersysteme um, böten Produkte an, die schneller umzusetzen sind, und gingen besser auf ihre Kunden ein als die großen Firmen.
Viele CIO sagen jedoch, dass sie weiterhin Produkte von den Tech-Giganten kaufen werden. Einige erklären, sie suchten zuerst bei den großen Firmen nach einer Lösung, bevor sie sich anderweitig umschauten. „Ich höre von den CIO, dass sie lieber bei einer kleinen Anzahl großer Anbieter einkaufen", sagt Meg Whitman, Geschäftsführerin von HP . Hewlett Packard musste in den vergangenen Quartalen wiederholt Umsatzverluste hinnehmen.
Die Versprechen einiger großer Technologieanbieter – zum Beispiel, dass es weniger verschiedene Systeme zu verbinden gebe und dass man bei Problemen eine einzige Anlaufstelle habe – lösen sie oft nicht ein. „Es gibt viel Frust über die großen Anbieter", sagt Christine Ferrusi Ross, Analystin bei Forrester Research .
Keine präzisen Daten
Es gibt keine präzisen Daten, die diesen Wandel belegen. In einer aktuellen Studie des CIO Executive Council, einer Vereinigung von IT-Führungskräften, haben die Technologieeinkäufer ihren Anbietern in 20 verschiedenen Kategorien durchschnittlich nur 3,23 von 10 Punkten gegeben. Zu den Kategorien gehörte eine ehrliche Kommunikation und die Fähigkeit, Innovationen anzubieten.
In einer Umfrage von 2012 der Recruitment-Firma Harvey Nash Group sagten 73 Prozent der befragten amerikanischen CIO, dass sie neue Technologien anwenden müssten oder den Verlust von Marktanteilen riskierten.
Es geht dabei um riesige Geldmengen. Gartner hat im Juli vorhergesagt, dass die weltweiten IT-Ausgaben von Unternehmen in diesem Jahr um drei Prozent auf 3,6 Billionen Dollar steigen dürften.
Eine neue Generation von Technologiefirmen wie Splunk und Palo Alto Networks, die sich auf Dienstleistungen für Firmen konzentrieren, haben dank wachsender Umsätze ein erfolgreiches Börsendebüt hinter sich.
Den etablierten Technologieanbietern ist das nicht entgangen. Microsoft hat im Juli 1,2 Milliarden Dollar für die Firma Yammer ausgegeben, die Social-Media-Dienste für Unternehmen anbietet. IBM, Oracle und SAP haben ebenfalls Milliarden für junge Internetsoftwarefirmen ausgegeben. HP will sich neu erfinden und in drei heiße Geschäftsfelder einsteigen, die bisher nicht zum Kerngeschäft gehören.
„Das ist die Chance für große Unternehmen, zu zeigen, dass wir innovativ sein können", sagt Sanjay Poonen, Leiter Global Solutions bei SAP.
Der deutsche Software-Hersteller will seine neuen Produkte vorantreiben – einige davon hat SAP selbst entwickelt, andere hinzugekauft. „Wir müssen uns wie ein Startup benehmen", sagt Poonen.
Risikokapitalgeber erklären, sie seien heute zuversichtlicher, wenn sie in Technologie-Startups investieren, die auf Dienstleistungen für Unternehmen ausgerichtet sind. „Vor fünf Jahren wäre es schwierig gewesen, eine Firma zu finden, die genauso schnell wächst wie die großen Konzern", sagt Mike Goguen von der Risikokapitalfirma Sequoia Capital.
125 Millionen Dollar an Investitionskapital
„Dieser Wandel ist der Grund, warum wie heute erfolgreich sein können", sagt Aaron Levie, Geschäftsführer bei Box Inc., einem Datentausch-Startup. Box kann Procter & Gamble zu seinen Kunden zählen und hat im Juli 125 Millionen Dollar an Investitionskapital eingesammelt.
Viele CIO haben Jahre damit verbracht, komplexe Systeme von großen Anbietern zu installieren, mit denen sie ihre Buchhaltung regeln oder Lieferungen nachverfolgen. Diese Systeme sind mittlerweile größtenteils umgesetzt. Dadurch haben Unternehmen jetzt die Freiheit, in andere Bereiche zu investieren, zum Beispiel in Software, die Daten auf bestimmte Trends hin analysiert.
Das war auch der Fall bei Trident Marketing, einer Direktvertriebsfirma in Southern Pines, North Carolina. CIO Brandon Brown nutzt zwar noch Systeme von großen Unternehmen, doch er hat vor kurzem auch eine Analytik-Software von Fuzzy Logix und ein System zur Anrufüberwachung von Coordinated Systems gekauft.
Einmalzahlung vs. Abonnement-Modell
Brown wollte sein Budget nicht nennen, doch er sagt, er könne es sich nicht leisten, auf einmal eine halbe Million Dollar für ein Computersystem von einem etablierten Anbieter auszugeben, der ein traditionelles Zahlungsmodell nutzt. Doch er könne mit einem Abonnement-Modell fünf Jahre lang jährlich 100.000 Dollar für Software von einem jüngeren Unternehmen aufbringen.
Ein wichtiger Grund für diesen Wandel sind neue Cloud-Computing-Programme, die über das Internet verfügbar sind und keine neue Hardware benötigen. In der Vergangenheit habe man für jede Systemerweiterung weitere 20 Prozent an Cisco, HP und Oracle zahlen müssen", sagt Blanchette, CIO von Vanguard. Mit den neuen Programmen sei das anders.
„Es gibt viel Unzufriedenheit über einige unserer Anbieter, vor allem über die großen", sagt Ken Piddington, CIO der Ölfirma Global Partners. „Viel zu oft sind die großen Firmen nicht mehr wendig genug."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de




![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XM316_0516bi_E_20130515142131.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR491_Belieb_E_20130523093731.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XP010_052313_E_20130523141232.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XO103_0521to_E_20130521130620.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XK056_0509te_E_20130508114251.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR457_testim_C_20130523060337.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR542_olive2_C_20130523193652.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR518_SPD230_C_20130523101009.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR466_aznar2_C_20130523073042.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AQ423_samsun_C_20130426011945.jpg)
Hello
Your question to the Journal Community Your comments on articles will show your real name and not a username.Why?
Create a Journal Community profile to avoid this message in the future. (As a member you agree to use your real name when participating in the Journal Community)