Von TELIS DEMOS und SHAYNDI RAICE
Zu den frühen Geldgebern von Facebook, die nach dem Ende der Haltefrist verkaufen dürfen, gehören der Startup-Investor Peter Thiel sowie die Beteiligungsgesellschaft Accel Partners. Bislang konnten die Altinvestoren ihre Papiere nicht auf den Markt bringen. Und obwohl die Facebook-Aktie seit dem Börsengang zu 38 US-Dollar um 43 Prozent abgestürzt ist, sitzen sie noch auf beachtlichen Papiergewinnen. Thiel und Accel kauften sich in das Unternehmen ein, als dieses mit weniger als einer Milliarde Dollar bewertet war. Heute liegt der Börsenwert bei rund 60 Milliarden Dollar.
Beim Börsengang lag die Marktkapitalisierung mit 104 Milliarden Dollar allerdings noch ein gewaltiges Stück höher. Die Buchgewinne von Investoren wie Goldman Sachs oder der russischen Anlagefirma DST Global, die erst in einer späteren Phase einstiegen, dürften mittlerweile nur noch gering sein. Das dürfte auch die frühen Anleger – zu denen neben Investoren auch Facebook-Mitarbeiter zählen – zum Nachdenken bewegen. Schließlich kommen im Verlauf des nächsten Jahres fünf weitere Tranchen an vorbörslich platzierten Aktien in den Handel.
Haltefristen für Altinvestoren sind bei Neuemissionen gängige Praxis, insbesondere dann, wenn Unternehmen zu einem bedeutenden Teil von Private-Equity-Investoren oder Wagniskapitalgebern gestützt werden. Die Banken, die das IPO betreuen, verpflichten die Anteilseigner üblicherweise dazu, einen Teil ihrer Aktien zurückzuhalten. Damit wollen sie sicherstellen, dass die Interessen von neuen und alten Anlegern die gleichen sind. Außerdem soll der Aktienkurs durch ein knappes Angebot angetrieben werden.
Wie einige andere Tech-Firmen, die zuletzt an die Börse gingen, hat Facebook allerdings nur eine relative kleine Zahl an Aktien verkauft – unter anderem aufgrund seiner auch so schon sehr hohen Marktkapitalisierung. Selbst nachdem die Zahl der verkauften Aktien kurz vor dem Börsendebüt noch einmal angehoben wurde, brachte das Unternehmen nach Angaben des Datenanbieters Dealogic weniger als 20 Prozent seiner ausstehenden Aktien in Umlauf. Das ist weniger als der Zehnjahres-Durchschnitt für IPOs, der über 25 Prozent liegt, wie Dealogic ermittelt hat.
Für Anleger verheißt das wenig Gutes: Während am 17. Mai 421 Millionen Aktien auf den Markt kamen, lauern bei Investoren noch rund zwei Milliarden weitere Papiere, die irgendwann zwischen jetzt und Mai, wenn die letzte Verkaufsbeschränkung ausläuft, börsenfähig werden. Einige Händler und Marktbeobachter gehen zwar davon aus, dass der Ablauf dieser Fristen zumindest in Teilen bereits im Aktienkurs eingepreist ist. Doch die Zweifel daran, wie aggressive die Frühphasen-Geldgeber Aktien abstoßen werden, bleiben natürlich bestehen.
„Das große Angebot, das auf den Markt kommt, hat einige Leute vor Käufen zurückschrecken lassen", sagt Reuben Daniels, Kapitalmarktberater bei EA Markets. „Die Anleger warten immer noch auf eine Antwort darauf, ob Facebook einen Plan verkündet, wie diese Masse an Aktien gesteuert werden soll."
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Am vergangenen Freitag besprach Facebook-Finanzchef David Ebersmann das Thema auf einem regelmäßigen Treffen mit Investoren, das von der Konsortialbank J.P Morgan & Chase gesponsert wurde. Das berichtet eine mit den Diskussionen vertraute Person. Eine Facebook-Sprecherin wollte sich zu Gesprächen des Unternehmens mit Investoren nicht äußern.
Einige Unternehmen wie der Online-Spieledienstleister Zynga haben versucht, der Flut an potenziellen Aktienverkäufen entgegenzuwirken und Aktionäre durch so genannte Zweitrunden-Angebote (secondary offerings) vor Ablauf der Haltefristen zu beschwichtigen. Hierbei wird die Zahl der Aktien, die von Altaktionären verkauft werden soll, rechtzeitig bekanntgegeben. Anschließend werden die Papiere mit Hilfe von Banken bei Investoren platziert. Üblicherweise stimmen die Altaktionäre im Gegenzug längeren Haltefristen für ihre verbliebenen Anteile zu.
Die Transparenz darüber, wer verkauft und wann, hat den Aktienkursen der Firmen, die diesen Weg gewählt haben, jedoch nicht zwingend geholfen. Seit 2010 haben laut Dealogic 35 Unternehmen vor Ablauf der ursprünglich vereinbarten Haltefristen zum Mittel des secondary offering gegriffen. Bis zur vergangenen Woche hatten sich deren Aktien seit der Aktion im Schnitt schmerzhafte 20 Prozent schlechter entwickelt als der S&P-1500-Index, dessen Mitglieder 90 Prozent der Marktkapitalisierung aller US-Aktien abdecken.
Facebook hat sich für einen anderen Ansatz entschieden und fünf Tranchen von Aktien geschaffen, deren Haltefristen im Verlauf eines Jahres auslaufen. Die erste Frist, die am Donnerstag endet, gilt für Investoren, die bereits beim Börsengang Anteile verkauft haben und umfasst insgesamt 271 Millionen Aktien. Einzige Ausnahme ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der vor November keine zusätzlichen Papiere verkaufen darf.
Zu den möglichen Verkäufern zählen neben Peter Thiel und Accel die Wagniskapitalgeber Elevation Partners und Greylock Partners sowie weitere Investoren wie Microsoft, Goldman Sachs und der Hedge-Fonds Tiger Global. Microsoft, Goldman, Elevation und Tiger Global lehnten einen Kommentar ab, die anderen Investoren reagierten nicht auf Anfragen. Öffentlich hat keiner der potenziellen Verkäufer die Absicht zum Verkauf von Aktien bekundet.
Ein Investor, der früh bei Facebook investierte und nun verkaufen darf, erwäge seine Aktien an die Partner des Unternehmens zu verteilen, die dann individuell entscheiden könnten, was sie damit tun, berichtete ein Mitarbeiter der Firma.
Wagniskapitalgeber, die früh in ein reifendes Unternehmen wie Facebook investiert haben, neigten dazu, ihr Investment nach einem Börsengang schnell zu Geld zu machen, sagt Geoff Yang, Partner bei Redpoint Ventures, einem Investor aus dem Silicon Valley. Allerdings stimmten sich Geldgeber, die über Jahre eng mit einem Unternehmen zusammengearbeitet hätten, oft mit dem Finanzchef ab, damit nicht alle Aktien auf einmal abgestoßen werden und der Aktienkurs leidet. „Man versucht, mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten, um einen geregelten Verlauf zu erreichen", sagt Yang.
Aktienflut ist nicht die einzige Sorge der Anleger
Die Haltefristen, die im Oktober, November und Dezember auslaufen, erlauben Zuckerberg und anderen Mitarbeitern von Facebook den Verkauf von 1,2 Milliarden Aktien. Allen Mitarbeitern sei angeboten worden, automatische Verkaufsprogramme zu nutzen, die ihre Verkäufe über die Zeit staffeln, berichtet ein Insider, der die Pläne des Unternehmens kennt.
Das letzte Verkaufsverbot, das im kommenden Mai endet, gilt für Investoren aus dem Umfeld des russischen Milliardärs Yuri Milner, namentlich die Firmen DST Global und Mail.ru, die Anfang 2011 bei Facebook einstiegen. Insgesamt werden bis Mai rund zwei Milliarden Facebook-Aktien frei für den Verkauf, womit die Zahl der ausstehenden Papiere auf 2,4 Milliarden steigen könnte.
Einige Analysten von Banken, die den Börsengang begleitet haben, warnten im Juli in Studien vor Kursrisiken durch die auslaufenden Fristen. „Die hohe Zahl an Facebook-Aktien, die in den kommenden zwölf Monaten gestaffelt neu auf den Markt kommen, könnte Gegenwind erzeugen", schrieben die Analysten von Barclays.
Andere dagegen halten das Angebot an Aktien für nebensächlich. „Die Haltefristen sind keine echte Sorge. Das ist im Aktienkurs berücksichtigt. Viel mehr Sorgen bereiten die Umsatztrends und die Frage, ob Facebook seine mobilen Nutzer monetarisieren kann", sagte ein Fondsmanager, der die Aktie beobachtet, aber nicht besitzt.
Mitarbeit: Rolfe Winkler
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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