• The Wall Street Journal

Der neue Golf: Volkswagen strebt an die Weltspitze

Der erste Golf war für Volkswagen ein Wendepunkt - er brachte den Anfang der 1970er Jahre ins Schlingern geratenen Konzern wieder auf die Erfolgsspur. In diesem Herbst, fast 40 Jahre nach der ersten Auflage des kompakten Verkaufsschlagers, kommt die siebte Generation des Golf auf den Markt. Und wieder soll er ein neues Kapitel einläuten: Mit dem Modell will VW endlich Toyota und General Motors überholen und an die automobile Weltspitze vorrücken.

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Nach dem neuen Audi A3 ist der Golf VII das zweite Auto des Volkswagen-Konzerns auf Basis des neu eingeführten Modularen Querbaukastens. Bei Wagen mit vorn quer eingebautem Motor wird VW künftig deutlich flexibler. Denn dank einer einheitlichen Plattform können verschiedene Autos auf dem gleichen Band produziert werden, egal wie breit ihr Radstand oder ihre Spurbreite ist.

Ein immenser Kostenvorteil im Weltkonzern Volkswagen, der mittlerweile 12 Marken sein eigen nennt. Allein bei der Kernmarke VW sollen beispielsweise die Modelle Polo, Beetle, Golf, Scirocco, Jetta, Tiguan, Touran, Sharan, Passat und CC auf der einheitlichen Plattform entstehen. Es können aber sogar unterschiedliche Marken vom selben Band laufen - und das, ohne die unterschiedlichen Markencharakteristika der Standardisierung zu opfern. In diesem Jahr wird der Baukasten auf die Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat ausgerollt – mehr als 40 verschiedene Modelle können dann auf seiner Basis stehen.

Der Modulare Querbaukasten soll eine "Gelddruckmaschine" für Volkswagen sein: Die für Entwicklung und Produktion eines Autos anfallenden Kosten sollen um ein Fünftel schrumpfen, die Produktionszeit sogar um rund 30 Prozent. Dadurch kann VW sowohl Volumen- als auch Nischenmodelle vergleichsweise günstig herstellen. Außerdem können Technologien in Massenmodellen zum Einsatz kommen, die bislang höheren Fahrzeugsegmenten vorbehalten waren. Im neuen Golf wird beispielsweise die sogenannte Multikollisionsbremse eingebaut, die ein in einen Unfall verwickeltes Fahrzeug abbremst, selbst wenn der Fahrer nicht mehr auf die Bremse tritt. Dadurch sollen schwere Folgeunfälle, zum Beispiel durch das Abdriften in den Gegenverkehr, vermieden werden.

Die Generation Golf

Volkswagen

Der Anlauf des neuen Golf, der als wichtigstes deutsches Auto gilt und in der ewigen Weltrangliste nur vom Toyota Corolla und dem Ford-Pickup F-150 geschlagen wird, ist immens wichtig für Volkswagen. Das Auto soll nicht nur dabei helfen, den Absatz anzutreiben, um wie geplant bis 2018 mit mehr als 10 Millionen Verkäufen zum weltgrößten Hersteller aufzusteigen. Er soll auch die ehrgeizigen Margenziele Wirklichkeit werden lassen - VW peilt bis dahin eine Umsatzrendite vor Steuern von mindestens 8 Prozent an.

Der neue Golf soll also eine neue Ära bei VW einläuten. Schon der erste Golf, der im Jahr 1974 auf den Markt kam, war ein Wendepunkt für den Autobauer. Die Ausgangssituation war damals allerdings eine komplett andere: Die Ölkrise und die Rezession machten der Autoindustrie schwer zu schaffen. Der Absatz des Käfers schrumpfte dramatisch, die erfolgsverwöhnten Wolfsburger schrieben herbe Verluste und gerieten in eine schwere finanzielle Schieflage.

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Mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm modernisierte VW seinerzeit die Produktpalette. Das erste Ergebnis war der neue Passat, das zweite der Golf. In der damaligen Presse als "kleiner Retter" angepriesen, steckten die Niedersachsen alle ihre Hoffnung in den Kompaktwagen, der die Abkehr vom bis dahin beherrschenden Fahrzeugkonzept mit Heckantrieb und Luftkühlung bedeutete.

Die Strategie ging auf. Knapp vier Jahrzehnte später ist Volkswagen einer der erfolgreichsten Autobauer der Welt und der VW Golf auf der ganzen Welt ein Markenname mit Donnerhall. Der Golf gab der Klasse der Kompaktwagen - und sogar einer ganzen Generation der Deutschen - seinen Namen.

Das Design des Golf I, der vor allem in der Cabrio-Variante heute noch als Klassiker gilt, stammt aus der Edelfeder von Italdesign-Gründer Giorgetto Giugiaro. Auch technisch machte der Wagen einiges mehr her als der Käfer: Er war sportlicher, leichter und damit auch sparsamer. Und vor allem: VW verdiente Geld mit dem Auto, denn der Golf war einige hundert Mark teurer als der Käfer 1303.

Das Auto katapultierte Volkswagen in neue Dimensionen: Verkauften die Wolfsburger vor der Erstauflage des Golf mit 190.000 Beschäftigten rund 2,2 Millionen Autos, schlug VW im vergangenen Jahr mehr als 8 Millionen Fahrzeuge los und verdiente mehr als den damaligen Umsatz von knapp 16 Milliarden Mark. Mittlerweile arbeiten mehr als 500.000 Menschen für den Automobilgiganten aus Niedersachsen. Seit 1974 wurden insgesamt fast 30 Millionen Golfs verkauft.

Im September 2012, vier Jahre nachdem VW die sechste und bisher letzte Golf-Generation an den Start brachte, wird der Golf VII seine Weltpremiere feiern. Für das Unternehmen ist das Event am 4. September der "Höhepunkt des Jahres". Um die siebte Generation des Golf zu feiern, hat VW Hunderte von geladenen Gästen in die Neue Nationalgalerie nach Berlin gebeten und lässt ganz unbescheiden wissen, dass eine Ikone der modernen Architektur den angemessenen Rahmen für "eine Ikone der Automobilgeschichte" biete.

Offizielle Fotos vom Golf VII gibt es bislang keine, erste Bilder sollen erst nach der Weltpremiere veröffentlicht werden. Auch der Preis steht noch nicht fest. Medienberichten zufolge soll die Basisvariante aber ab rund 17.000 Euro verfügbar sein, knapp 500 Euro mehr als die günstigste Variante des Vorgängers.

Die breite Öffentlichkeit wird das Auto erstmals auf dem Pariser Autosalon Ende September in Augenschein nehmen dürfen. In Wolfsburg ist man sich übrigens sicher, dass der Golf an die Erfolge seiner Vorgänger anknüpfen wird. Die Serienproduktion im Stammwerk in Wolfsburg ist Anfang August angelaufen, der Marktstart soll im Herbst erfolgen. Inklusive aller Varianten wird der Golf in sechs Werken rund um die Welt gebaut.

Das Feld ist also bereitet. Nach dem der Golf VW zu Europas größtem Hersteller gemacht hat, könnte er auch die nächste Etappe des Wolfsburger Automobilimperiums entscheidend mitgestalten: Den Weg zur weltweiten Nummer eins.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com

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