Von SVEN GRUNDBERG
STOCKHOLM - Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Oder in diesem Fall: Nokia . Der finnische Handy-Hersteller könnte von dem Milliarden-Urteil gegen Samsung im Rechtsstreit mit Apple profitieren.
Nokia dominiert das Geschäft mit Mobiltelefonen längst nicht mehr. Aber wertvolle Patente haben die Finnen zuhauf; ihre Sammlung an intellektuellem Eigentum gilt als eine der stärksten in der Branche. Mehr als 30.000 Patente dürfte Nokia in den vergangenen 20 Jahren gesammelt haben. Sie schützen Mobilfunk-Technologie oder Materialien für Smartphones. Analysten schätzen den Wert des Portfolios auf bis zu zehn Milliarden Euro.
Aufstieg und Fall der Finnen
Auch die Windows-Software für Smartphones könnte nach dem Urteil im Patentstreit, nach dem Samsung 1,05 Milliarden US-Dollar Schadensersatz an Apple zahlen muss, jetzt attraktiver sein. Schließlich laufen die Samsung-Geräte, die laut Gericht wesentliche Apple-Patente verletzen, mit Google -Software. Die Nokia-Handys dagegen laufen mit Windows. Die Entscheidung könnte Nokia nun helfen, mehr Lizenzrechte an Hersteller zu verkaufen, die Googles Android-System nutzen.
Nokia war einst der marktbeherrschende Handy-Hersteller. Aber in den vergangenen Jahren stellten Apple und Samsung den finnischen Produzenten zunehmend in den Schatten. Erst kürzlich beschlossen die Finnen, aggressiveren Gebrauch von ihren Patenten zu machen. Nach dem Urteil sagte ein Sprecher der Firma, Nokia würde weiter am Kurs des „aktiven Managements von geistigem Eigentum" festhalten.
Im Mai verklagte Nokia in den USA und in Deutschland die Smartphone-Konkurrenten HTC und RIM sowie den Bildschirmhersteller Viewsonic. Sie alle hätten Patentrechte von Nokia verletzt, argumentierte der Konzern. Einen Rechtsstreit mit Apple legte Nokia im vergangenen Jahr bei. Apple musste eine einmalige Summe an Nokia überweisen und zahlt laufende Gebühren.
Um das meiste aus seinen Patenten herauszuholen, arbeitet Nokia auch mit Lizenzierungsspezialisten zusammen. Im vergangenen September übernahm der Patentdienstleister Mosaid Technologies 2.000 Patente der Finnen. Das Unternehmen verwaltet jetzt die Nokia-Patente, trägt die Kosten dafür und kümmert sich um alle Streitereien vor Gericht. Im Gegenzug bekommt Mosaid dafür ein Drittel der Lizenzeinnahmen von Nokia. Inzwischen hat Nokia auch mit den Patentverwaltern Sisvel in Italien und Vringo in den USA ähnliche Verträge abgeschlossen.
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Reuters




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