Von MIKE SPECTOR, ASHBY JONES und DANA MATTIOLI
Verkauft wurden die Patente des insolventen Foto-Pioniers Kodak bislang noch nicht. Doch ein unerwartetes Ergebnis hat die Auktion bereits mit sich gebracht. Sie hat dafür gesorgt, dass sich einige der erbittertsten Rivalen im weltweiten Kampf um Patente zusammengeschlossen haben. Technologie-Giganten und Patentsammelfirmen, die zuvor konkurrierende Gebote abgegeben hatten, sollen jetzt Verbündete sein. Das berichten Insider. Durch die Gespräche der vergangenen Tage könnte es passieren, dass die Patente am Ende für viel weniger weggehen, als sich Eastman Kodak durch einen Bieterstreit erhofft hatte.
Das Bündnis bringt Unternehmen wie Apple und Google zusammen, eigentlich schärfste Rivalen auf dem umkämpften weltweiten Smartphonemarkt. Auch Intellectual Ventures Management gehört dazu. Die Firma ist dafür bekannt, Patente aufzukaufen, diese anschließend weiter zu lizensieren und Unternehmen zu verklagen, die gegen die Patente verstoßen. RPX gehört ebenfalls zu dem Bieterbündnis. Die Firma kauft Patente, damit sie vor Gericht nicht gegen ihre Mitglieder verwendet werden können.
Der Ausgang der Verhandlungen und die Zusammensetzung der Bietergruppe sind noch unklar, sagen mit der Sache vertraute Personen. Sollte das Bündnis am Ende einen Teil oder alle Patente kaufen, dann würden diese nicht in den Besitz einer der involvierten Firmen übergehen. Stattdessen wäre gewährleistet, dass sich die Unternehmen nicht gegenseitig über Patente von Kodak verklagen könnten. Mit solch einem Deal würde man vermutlich die Aufmerksamkeit der Wettbewerbshüter auf sich ziehen.
Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass sich mehrere Firmen zusammenschließen und gemeinsam auf das komplette Patentangebot bieten, dann könnten mehr als 500 Millionen Dollar zusammenkommen, heißt es. Das ist zwar deutlich mehr als die Anfangsgebote, allerdings immer noch viel weniger als die 2,2 bis 2,6 Milliarden Dollar, auf die Kodak sein Patentportfolio in der Vergangenheit taxiert hatte.
In einer Mitteilung ließ Kodak am Donnerstag verlauten, dass man auch weiterhin Gespräche führe, Resultate jedoch noch nicht präsentieren könne. Der Fotopionier erklärte außerdem, dass es vom weiteren Verlauf der Auktion abhänge, ob man am Ende überhaupt verkaufe oder vielleicht nur in Teilen.
Kodak hatte im Januar Gläubigerschutz beantragt. Durch den Verkauf seiner Patente versucht die Firma nun an Geld zu kommen, um sich neu aufstellen zu können. Am Ende könnten alle 1.100 Fotopatente, ein Teil oder aber auch gar nichts verkauft werden, sagen Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind. Eigentlich wollte Kodak bereits am Montag Resultate bekanntgeben. Dann wurde die Frist in Absprache mit den Gläubigern auf Mittwoch und schließlich noch einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.
Schon in der Vergangenheit war es vorgekommen, dass sich Tech-Rivalen zusammentaten, um gemeinsam auf Patente zu bieten. Im vergangenen Jahr bezahlte ein Konsortium um Apple, Microsoft und Blackberry-Hersteller Research in Motion 4,5 Milliarden Dollar für Patente, die sich bis dahin im Eigentum von Nortel Networks befunden hatten. Das Nachsehen hatte Google.
Im Justizministerium war man über den Deal wenig erfreut. Man befürchtete, dass die Gewinner der Auktion die Patente gegen Hersteller von Mobiltelefonen, auf denen Googles mobiles Betriebssystem Android zum Einsatz kommt, verwenden könnten. Am Ende genehmigte man jedoch den Kauf. Vor allem, weil die neuen Eigentümer zugesichert hatten, dass sie die Patente an Außenstehende lizenzieren würde. „Wenn sie zu vernünftigen Preisen lizenzieren, dann gibt es daran nichts auszusetzen", sagt Michael Carrier, Patentrechtsexperte an der Rutgers Universität in Camden. „Sollten sie sich jedoch anders entscheiden, dann dürfte es Ärger geben."
Konkurrenten verbünden sich
Laut eingeweihten Quellen sollen zu der neuen Bietergruppe auch Samsung Electronics, LG Electronics und HTC gehören. All diese Unternehmen stellen Smartphones her, auf denen Googles Betriebssystem Android läuft. Apple und Samsung befinden sich derzeit auch in einem erbitterten Kampf um Patente, der vor zahlreichen Gerichten weltweit ausgetragen wird. Auch Apple und HTC standen sich bereits im Gerichtssaal gegenüber.
Die Patente, um die es in der Kodak-Auktion geht, haben mit der eigentlichen Mobilfunktechnologie wenig zu tun. Doch weil Kameras in Smartphones und Tablets immer wichtiger werden, genießt die Versteigerung die Aufmerksamkeit der Hersteller. Kodak-Chef Antonio Perez konnte dank der Patente mit Gerichtsverfahren und Lizenzgebühren fast 3 Milliarden Dollar einnehmen, bevor die Strategie im vergangenen Jahr keinen Erfolg mehr zeigte.
Kodak braucht bis November Geld
Kodak schuldet den Banken mehr als 660 Millionen Dollar. Zu den Gläubigern gehört unter anderem die Citigroup, die dem ehemaligen Fotopionier mit einem Kredit unter die Arme griff, damit dieser das operative Geschäft trotz Bankrotterklärung weiterführen konnte. Alle Einnahmen aus dem Verkauf der Patente müssen also zunächst zum Abzahlen der Kredite und anschließend zur Schuldentilgung bei Anleihegläubigern verwendet werden. Ihnen schuldet Kodak mehr als 750 Millionen Dollar. Das bedeutet, dass Kodak bis November noch weiteres Geld zusammenkriegen muss, damit man sich neu organisieren kann.
Damit das gelingt, könnte das Unternehmen weitere Geschäftsbereiche verkaufen und versuchen, mehr Geld über seine Tochterfirmen im Ausland einzunehmen. Was für Pläne Kodak genau verfolgt, will die Firma nach Ende der Auktion bekannt geben, berichten mit der Sache vertraute Personen. Kodak will sich vom Filmgeschäft verabschieden und sich vor allem auf den Druckermarkt konzentrieren, wo man es mit Konkurrenten wie Hewlett Packard zu tun hat.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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