• The Wall Street Journal

Leerverkäufer sind Facebook auf den Fersen

Immer mehr Anleger wetten darauf, dass das soziale Netzwerk Facebook an der Börse weiter abstürzt, wenn am Donnerstag eine wichtige Haltefrist endet und vermutlich neue Tranchen der ohnehin schon gebeutelten Aktien losgeschlagen werden.

dapd

Die Zahl der so genannten Leerverkäufer, die mit geliehenen Aktien an der Börse spekulieren und auf fallende Kurse wetten, hat sich deutlich erhöht.

Wie der Datendienst Markit mitteilt, hat sich die Zahl der Aktien, die sich so genannte Short Seller unter den Nagel gerissen haben, um sie zu verkaufen, deutlich erhöht. Sie liegt jetzt bei 97 Millionen Aktien. Im Juli waren es erst 63 Millionen.

Short Seller leihen sich Aktien aus, um sie zu verkaufen, weil sie damit rechnen, dass der Aktienpreis sinken wird. Wenn sie die Papiere später tatsächlich zu einem geringeren Preis zurückkaufen können, verbuchen sie die Preisdifferenz als Gewinn. Mit solchen Leerverkäufen erzielen sie also Profit, ohne dass ihnen eine Aktie selbst gehört.

Im Durchschnitt leihen die Konzerne im US-Börsenindex Standard & Poor's 500 etwa 3 Prozent ihrer gesamten Aktien an Leerverkäufer aus, hat Markit ermitteln. Im Fall von Facebook sind es jetzt aber schon mehr: Rund 3,5 Prozent der gesamten Unternehmensaktien sind derzeit in der Hand von Leerverkäufern.

Einige Hedgefondsmanager spekulierten von Anfang darauf, dass der Facebook-Kurs sinkt. So auch Rob Romero, Portfolio-Manager beim US-Hedgefonds Connective Capital Management, der ein Vermögen von rund 100 Millionen US-Dollar verwaltet und mit knapp 2 Millionen Dollar auf fallende Facebook-Kurse wettet.

Diese so genannte Short-Position sei bisher schon „großartig" gelaufen, sagt Romero. „Sie ist immer noch großartig, finde ich, wenn man die Kursbewertung mit anderen Unternehmen wie Google und Apple vergleicht."

Eine Facebook-Sprecherin wollte sich zu den Leerverkäufen nicht äußern.

Rund 2 Milliarden Aktien werden bis Mai freigeschaltet

Die Stimmung könnte weiter gegen Facebook gehen, weil am Donnerstag die Haltefrist für einige frühe Facebook-Aktionäre endet. Sie dürfen dann erstmals wieder Aktientranchen verkaufen und das dürfte die Wetten auf sinkende Preise zusätzlich anheizen, weil Short Seller dann wieder auf mehr Aktien Zugriff bekommen.

Insgesamt werden bis Ende Mai noch rund 2 Milliarden Facebook-Aktien freigeschaltet und könnten theoretisch alle auf den Markt geworfen werden – zusätzlich zu den 421 Millionen Aktien, die bereits im Umlauf sind.

Die Leerverkäufer haben in der Regel immer nur auf einen kleinen Prozentsatz der umlaufenden Aktien Zugriff. Momentan haben sie sich laut Markit rund 79 Prozent der verfügbaren Aktien für ihre Spekulationsgeschäfte ausgeliehen. Das ist mehr als im Juli, als sie erst 62 Prozent der für sie verfügbaren Facebook-Aktien nutzten, aber wieder weniger als in der vergangenen Woche, als diese Rate plötzlich bei 82 Prozent lag.

Spekulanten finden immer schwerer Nachschub

Dass so viele der verfügbaren Aktien schon von Short Sellern genutzt werden, erschwert ihnen weitere Spekulationen. Bei einer Nutzungsrate um 80 Prozent werde es immer schwieriger, viele Aktien für Leerverkäufe zu finden, sagt Simon Colvin, Analyst bei Markit.

Analysten mahnen grundsätzlich zur Vorsicht. Sie sagen, es sei schwer vorherzusagen, ob Investoren mit ihren Wetten auf sinkende Preise jetzt schon Gewinne mitnehmen oder weiter abwarten würden.

Einige Leerverkäufer würden wohl jetzt verkaufen, weil der Facebook-Kurs „eine gutes Stück" unter seinem Ausgabepreis liege, sagt Tim Smith, stellvertretender Chef der Marktforschungssparte Astec des Finanzkonzerns Sungard Financial Systems, der ebenfalls Daten zum Short Selling sammelt. „Aber es könnte auch sein, dass einige noch abwarten" und erst in ein paar Monaten ihre Aktien abstießen.

Facebook-Aktien verloren im Juni 31 Prozent an Wert, weil das Management für das zweite Quartal einen Verlust meldete. Am Mittwoch legte die Aktie aber wieder um 4 Prozent auf 21,20 Dollar zu.

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