Von BEN WORTHEN
Der weltgrößte Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) meldete für das dritte Quartal den größten Verlust seiner 73-jährigen Konzerngeschichte und signalisiert, dass eine Trendwende im schwierigen Geschäft mit PCs vorerst nicht in Sicht ist. Das Konzernergebnis wurde vor allem von einer Abschreibung in Höhe von 9,2 Milliarden US-Dollar belastet.
HP leidet unter sinkenden Verkaufszahlen für herkömmliche Computer und dem Boom von Smartphones und Tablet-PCs der Konkurrenz. Im dritten Quartal machte der Konzern einen Verlust von 8,9 Milliarden Dollar oder 4,49 Dollar je Aktie. Der Umsatz sank um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit sinken die Umsätze konstant seit 12 Monaten.
Ein Großteil des schlechten Ergebnisses liegt an einer Abschreibung in Höhe von 8 Milliarden Dollar für den Kauf des Dienstleisters Electronic Data Systems Corp im Jahr 2008 sowie weitere Restrukturierungskosten. Aber auch wenn man diese Einmalkosten außer Acht lässt, sind die jüngsten Zahlen schlecht, und die Aussichten für das laufende Quartal sind nicht besser.
Trendwende wohl erst in drei bis fünf Jahren
„Täuschen Sie sich nicht, wir stehen immer noch ganz am Anfang der Trendwende", sagte HP-Vorstandschefin Meg Whitman in einem Analystengespräch. Sie hatte zuvor gesagt, eine Wende zum Besseren sei erst in drei bis fünf Jahren zu erwarten. Im Analystentelefonat gab sie außerdem zu, dass nicht nur die schwierige Lage der Branche und der Gesamtwirtschaft an den schwachen Ergebnissen schuld sei, sondern auch der Konzern selbst.
Diese Offenheit kam bei Investoren gut an. Viele hatten sich auf noch größere Hiobsbotschaften eingestellt. „Anleger sind heute bei HP schon froh über alles, was kein Desaster ist", sagt Rob Cihra, Analyst bei der Bankenberatung Evercore Partners.
Im dritten Quartal des Vorjahres hatte HP noch einen Gewinn von 1,9 Milliarden Dollar oder 0,93 Dollar je Schein verbucht. Der Umsatz ging um 5 Prozent auf 29,7 Milliarden Dollar zurück. Vor zwölf Monaten hatte dieser noch bei 31,2 Milliarden Dollar gelegen.
An der Börse ist der Wert des Computerherstellers in diesem Jahr bereits um 25 Prozent abgerutscht. Nach einem Minus von 3,7 Prozent am Mittwoch sank die Aktie im nachbörslichen Handel noch einmal deutlich um fast 5 Prozent ab.
Auch andere in der Computerbranche leiden
Schon tags zuvor hatte Rivale Dell schwache Quartalszahlen mit einem Gewinneinbruch von 18 Prozent und einem Umsatzrückgang von 8 Prozent vorgelegt. Auch die Aktien dieses Computerherstellers stürzten am Mittwoch an der Börse weiter ab und lagen bei Handelsschluss um 5,35 Prozent niedriger. Dells Finanzchef Brian Gladden sagte, er rechne auch im Herbst nicht mit einer Geschäftsbelebung, weil Kunden noch auf die neue Version des Microsoft -Betriebssystems für PCs warten würden, die im Oktober in den Handel kommen soll.
Für HP und den Rivalen Dell sind harte Zeiten angebrochen. Insgesamt hat die PC-Branche derzeit Schlagseite, denn Nutzer motten ihre PC ein und kaufen Smartphones und Tabletcomputer von Konkurrenten wie Apple . Nur an dem chinesischen Konzern Lenovo, der verstärkt auf Schwellenländer setzt, scheint der Trend vorbeizugehen. Im jüngsten Geschäftsquartal kletterte der Gewinn der Lenovo Group um 30 Prozent auf 141 Millionen US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit 134 Millionen gerechnet. Der Umsatz stieg um mehr als ein Drittel auf 8 Milliarden Dollar. Die Chinesen rücken Marktführer HP damit immer mehr auf die Pelle.
Lenovo ist mit einem Marktanteil von 30 Prozent Marktführer in China und drängt mit Macht auf andere Schwellenmärkte wie Indien, Indonesien, Brasilien, Argentinien und Mexiko. Gerade von PC-Erstkäufern verspricht sich der Konzern hier eine wachsende Nachfrage.
Um wieder auf Kurs zu kommen und mit der erstarkenden Konkurrenz mithalten zu können, hat sich HP ein massives Sparprogramm verschrieben. Schon im Mai kündigte das Unternehmen an, 8 Prozent der Belegschaft oder 27.000 Stellen streichen zu wollen. Konzernchefin Meg Whitman verspricht sich davon in den kommenden zwei Jahren Einsparungen von bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar.
Stellenabbau kostet mehr als erwartet
Vor wenigen Tagen wurde dann bekannt, dass der beschleunigte Stellenabbau mit höheren Kosten verbunden ist, als ursprünglich geplant war. Der Grund: Viele Mitarbeiter nahmen das Angebot an, früher in Rente zu gehen. Darum musste HP nun im dritten Geschäftsquartal, das im Juli endete, zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe verbuchen.
Ein Lichtblick bot das Softwaregeschäft von HP, das im vergangenen Quartal um 18 Prozent auf 973 Millionen Dollar wuchs. Maßgeblich war die Übernahme der Softwarefirma Autonomy Corp.
Auch in den kommenden Monaten wird es nicht leicht werden für den Computerhersteller. Für das Fiskaljahr 2012 rechnet HP nun mit einem verwässerten Gewinn je Aktie von 4,05 bis 4,07 Dollar und orientiert sich damit am unteren Ende vorheriger Prognosen.
—Mitarbeit: Jörgen CamrathKontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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