• The Wall Street Journal

US-Start-up will mobile Datennutzung revolutionieren

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Ein Smartphone-Nutzer macht ein Foto mit seinem Handy.

Ein Start-up will mit einem eigenen kabellosen Datendienst seinen Kunden jährlich mehrere hundert Dollar an Kosten ersparen – und das zu einem Zeitpunkt, da die Gebühren für Mobilfunkverträge einen immer größeren Teil des Budgets von US-amerikanischen Haushalten aufzehren. Mitfinanziert wird das junge Unternehmen von einem Skype-Gründer.

Freedom Pop heißt das Start-up, und es ist der jüngste und vielleicht radikalste Versuch, mit einem günstigen Datenangebot auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Die großen Mobilfunkanbieter im Land versuchen momentan, die monatlichen Gebühren mit schnelleren Surfoptionen noch ein Stück in die Höhe zu treiben. Dabei müssen bereits jetzt pro Smartphone und Monat häufig über 100 US-Dollar gezahlt werden.

Besonders günstige Preise des Anbieters Iliad SA haben bereits den französischen Mobilfunkmarkt aufgewühlt. Das Start-up konnte sich in nur sechs Monaten einen Anteil von 5,4 Prozent am französischen Markt sichern und hat die großen Anbieter wie France Télécom dazu gezwungen, ihre Preise zu senken, um mithalten zu können. Doch auch wenn in den USA immer mehr Billiganbieter nach vorne drängen, leisten die großen Mobilfunkprovider dort bessere Arbeit. Sie sind erfolgreicher als ihre französischen Pendants, wenn es darum geht, die lukrativen Kunden an sich zu binden.

Video auf WSJ.com

Families across America have cut back on food, clothes and entertainment to make room for ever-higher phone bills. Now, carriers are betting that they can push that bill even higher, as Anton Troianovski explains on The News Hub. Photo: Bloomberg.

AT&T und Verizon Wireless sind so etwas wie das Hotel California. Im Text zum gleichnamigen Lied heißt es, man könne es nie verlassen. Beide Unternehmen sichern sich den Großteil an neuen Kunden in der Branche. Die Zahl derer, die ihren Vertrag kündigen, ist auf dem niedrigsten Stand seit acht Jahren. Dieser Trend stellt darum in Frage, ob Wettbewerb auf Basis von Preisen in den USA überhaupt effektiv ist.

Der Service von Freedom Pop hat am Montag seinen Dienst aufgenommen. 500 Megabyte Datenvolumen im Hochgeschwindigkeitsbereich soll den Kunden pro Monat kostenlos zur Verfügung stehen. Anschließend muss zwar auch hier bezahlt werden, doch das Angebot ist deutlich billiger als das der großen Konkurrenz: Ein zusätzliches Gigabyte kostet 10 Dollar im Monat, fünf Gigabyte gibt es für 35 Dollar. Zum Vergleich: Verizon nimmt für seine neuen Datenoptionen 80 Dollar (für sechs Gigabyte). Hinzu kommt noch eine monatliche Grundgebühr für das Smartphone in Höhe von 40 Dollar. Dafür kann der Kunde dann jedoch auch unbegrenzt telefonieren und Textnachrichten schreiben.

Einnahmen durch Zusatzdienste

Freedom Pop erklärt, man gehe nicht davon aus, dass man mit dem Verkauf von Datenvolumen viele Einnahmen erzielen werde. Stattdessen sollen zusätzliche Dienste wie „Turboboost"-Funktionen angeboten werden, die den Kunden die schnellstmögliche Verbindung im jeweiligen Netz garantieren.

Wer sich für Freedom Pops günstiges Angebot interessiert, der kann jedoch nicht einfach irgendwo dafür unterschreiben. Stattdessen müssen die Nutzer 99 Dollar für eine Hülle bezahlen, die um Apples iPhone oder iPod touch herum angebracht wird. Alternativ kann auch eine Kaution für einen portablen Wifi-Hotspot hinterlegt werden. Das Telefon nutzt Wifi, um sich mit dem Hotspot oder der Hülle zu verbinden, die dann wiederum mit dem mobilen Telefonnetz von Clearwire kommuniziert. Da das Angebot nur für Daten gilt, müssen die Nutzer für Telefonate und SMS zusätzlich zahlen. Oder sie weichen auf Internet-basierte Dienste wie WhatsApp und Skype aus.

Ab März auch schnelles LTE-Netz

Auch ist es derzeit noch nicht möglich, überall in den USA das Angebot zu nutzen. Das Netzwerk von Clearwire erreicht nur etwa 136 Millionen Menschen in den USA. Freedom Pop hat jedoch einen Vertrag unterschrieben und darf ab März auf das Netz von Sprint zurückgreifen. Wer sich zuvor ein Gerät angeschafft hat, das nur im Clearwire-Netzwerk funktioniert, kann dieses in Zukunft umtauschen, um auch vom LTE-Netz von Sprint profitieren zu können.

Freedom Pop wurde ursprünglich finanziert von Skype-Mitbegründer Niklas Zennstrom. Das Unternehmen hat erklärt, dass die Kunden ihre bisherigen Mobilfunkverträge nicht kündigen müssen, um von dem neuen Angebot profitieren zu können. Stephen Stokols, CEO von Freedom Pop, sagte, er nutze den Dienst neben seinem AT&T-Smartphone-Vertrag. Dort habe er die Datenoption auf die geringstmögliche reduziert und zahle jetzt nur noch 20 Dollar für 300 Megabyte. „Wir sind noch nicht so weit, zu sagen ‚Kündigt bei eurem Anbieter'", sagt Stokols.

Bill Esrey ist bei Sprint für das Großhandelsgeschäft verantwortlich. Er sagt, Freedom Pop würde sich an einen kleinen Teil von Konsumenten richten, die für „innovative, kosteneffektive Ansätze" offen seien. Er sieht keine Gefahr, dass das neue Angebot lukrative Kunden wegnehmen könnte. Verizon und AT&T hätten mehr zu fürchten, sagt Esrey. Denn sie verfügten über eine größere Zahl an Vertragskunden. „Der Marktanteil von Sprint ist nicht so groß wie der von Verizon und AT&T. Wenn wir von Kannibalisierungseffekten sprechen, dann dürften die eher bei den anderen Anbietern anzutreffen sein", erklärt Esrey.

Video auf WSJ.com

Some Americans have given up their cellphones to cut back on living expenses, while others have traded in their high-cost wireless contracts for more-affordable prepaid service plans, Anton Troianovski reports on digits. Photo: Getty Images.

Doch auch wenn die Preise weiter steigen, haben die Kunden bislang nur wenig Interesse daran, ihre bisherigen Anbieter zu verlassen. Vertragskunden haben sich von AT&T im zweiten Quartal nur im Umfang von einem Prozent je Monat verabschiedet. Das war der niedrigste jemals gemessene Wert im Unternehmen. Im Bericht zu den Quartalszahlen wurde auch ein Grund genannt: Etwa 88 Prozent der Smartphone-Kunden haben einen Geschäftsvertrag oder sind über die Familie gebunden. Für sie ist es schwieriger und meist wenig lukrativ, zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

„Es ist ein bisschen wie bei einer Bank", sagt Jennifer Fritzsche, Analystin bei Wells Fargo . „Der Typ neben mir bietet mir vielleicht günstigere Optionen an, aber wechsle ich deswegen gleich die Bank, bei der meine ganze Familie ist? Die Abwicklung dieses ganzen Prozesses ist nicht so einfach."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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