Von DIRK ELSNER
Im letzten Monat habe ich hier in der Kolumne darüber spekuliert, ob Facebook das Banking aufmischen könnte. Da ging es um das Potenzial des Sozialen Netzwerks, die eigene Plattform vor allem zur Abwicklung von Zahlungstransaktionen zu nutzen. Aber wie nutzen die Banken selbst die größte Community der Welt?
Eine Präsenz auf dem sozialen Netzwerk Facebook haben mittlerweile viele Banken. Der geschäftliche Nutzen dürfte allerdings für die meisten Häuser kaum messbar sein. Dies gilt besonders, wenn die Präsenz sich darauf beschränkt, klassische Werbe- und PR-Botschaften zu verbreiten. Häuser, die sich damit begnügen, suchen meist noch den richtigen Weg in die sozialen Netzwerke.
Mein Kolumnistenkollege Lothar Lochmaier fasste jüngst die Aktivitäten der Banken plastisch zusammen: „Kurzfristig kann man Kunden sicherlich durch Rabatte, Gutscheine und andere Gimmicks anlocken. Das Gros zumindest der kritischen Kunden dürfte erst recht nach der Finanzkrise hinter die Marketingkulisse blicken.“ Tatsächlich werden viele Kunden bloße Imagepflege über Facebook kaum annehmen. Sie erwarten mehr.
In einigen Häusern sind die Produktentwickler mittlerweile mutiger geworden und verbinden Facebook direkt oder indirekt mit ihren Produkten. Die wohl digital fortschrittlichste Bank Deutschlands, die Münchner Fidor Bank, hat sich vor Monaten vorsichtig an mehr herangetastet und den sogenannten „Like-Zins“ entwickelt. Die Zinsspanne für das FidorPay-Konto ist davon abhängig, wie viele Nutzer das Angebot der Bank gut finden – in der Sprache von Facebook heißt das „liken“.
Wer das bei den aktuellen Zinssätzen nur für einen Marketing-Gag hält, mag sich durch die Erde bohren bis er im neuseeländischen Auckland ankommt. Dort könnte er die ASB Bank besuchen. Nötig ist das nicht. Alternativ kann man der ASB Bank virtuell bei Facebook betreten. Das Institut hat dort tatsächlich eine Cyber-Filiale eröffnet, die über eine Anwendung - neudeutsch App – genutzt werden kann. Das System sei verblüffend einfach zu bedienen, schwärmt die Finanzseite Finews. Doch auch das wirkt nicht mehr wirklich spektakulär; welcher Kunde möchte für seine täglichen Bankgeschäfte noch mit einem Berater sprechen, vor allem, wenn der als digitale Bankkauffrau daherkommt?
Die indische ICICI Bank bietet über eine Facebook-Anwendung direkten Zugriff auf das eigene Konto. Hier können Kontostände abgerufen, Debitkarten und Schecks bestellt werden. Überweisungen sind noch nicht im Angebot. Genau an diesem Angebot arbeitet die australische Commonwealth Bank - eine App, mit der man Online-Banking via Facebook von überall und jederzeit erledigen kann, berichtet die Webseite PC Adviser. Am Ende soll es möglich sein, Geld an Freunde über Handy-, Mail- oder Facebook-Kontakte zu überweisen. In Betrieb will die Commonwealth Bank aber erst gehen, wenn sie die Sicherheitsbedürfnisse zu hundert Prozent erfüllt habe.
Sehr modern kommt die Alior Bank aus unserem Nachbarland Polen daher: Mit einem Ableger will sie eine jüngere und für digitale Leistungen affine Zielgruppe ansprechen. Bezahlen via Facebook ist hier möglich, allerdings müssen Auftraggeber und Empfänger gleichermaßen über die Alior App registriert sein. Darüber hinaus bespielt Alior Sync weitere digitale Kanäle und bietet entsprechende Apps für das mobile Apple Betriebssystem iOS und Googles Android.
An dem Beispiel wird deutlich: kein Bankhaus will sich allein von der Infrastruktur des sozialen Netzwerks abhängig machen. Man beginnt Facebook aber als einen weiteren Kundenkanal zu entdecken – das meint wohl das Schlagwort von der Multi-Channel-Strategie. Zunehmend intelligent und bequem werden dortige Apps mit dem bestehenden Produktangebot verknüpft.
Daraus können sich übrigens ganz neue Leistungen für andere Geschäftsbereiche ergeben. Das zeigt beispielsweise das amerikanische Startup Loyal3, das ich in einem späteren Beitrag genauer beleuchten werde.
In einigen Banken fragt man sich dennoch, was das Besondere an den neuen Angeboten sei und was das denn eigentlich solle. Mit dem traditionellen Onlinebanking gebe es das doch längst. Vielfach wird übersehen, wie unkomfortabel es mittlerweile ist, hier ein Überweisungsformular auszufüllen. Man muss sich nur einmal die Alternativen wie PayPal ansehen. Selbst wer seine Rechnung elektronisch bekommt, muss im Onlinebanking die Daten per Hand eintragen. Ein automatischer Bezahlbutton, der aus einer entsprechend autorisierten App die Daten abfragt, scheint da geradezu utopisch.
Es gibt aus Banken, die sich fragen, ob Facebook seinen Zenit nicht bereits überschritten hat. Nach dem verpatzten Börsengang häufen sich die Negativmeldungen, sagen sie, und das Unternehmen scheine sich in einer Art Konsolidierungsphase zu befinden. Vielleicht sei es da besser, zunächst einmal abzuwarten.
Ich persönlich bin kein großer Freund des Datensammlers aus Kalifornien. Trotzdem: Es lässt sich immer ein Grund finden, neue Wege nicht zu erproben. Gerade der digitale Wandel hat Innovationszyklen deutlich verkürzt. Und so mancher Hype ist schon nach wenigen Monaten wieder erkaltet. Viel wichtiger ist es daher, seine Datenverarbeitung so auszurichten, dass die Back-end-Prozesse flexibler werden und verschiedenste Kanäle bespielen können. Tatsächlich kann man sich nicht darauf verlassen, dass das digitale Leben künftig nur auf Facebook spielt.
Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. 2008 hat er den Blick Log gegründet, der 2012 zum Finanzblog des Jahres gekürt worden ist. Ein Schwerpunkt des Blogs sind Themen aus der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und Neuerungen im Banking.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de




![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XM316_0516bi_E_20130515142131.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XP010_052313_E_20130523141232.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XO103_0521to_E_20130521130620.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/OB-XK056_0509te_E_20130508114251.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR542_olive2_C_20130523193652.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR518_SPD230_C_20130523101009.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AR466_aznar2_C_20130523073042.jpg)
![[image]](http://si.wsj.net/public/resources/images/DE-AQ423_samsun_C_20130426011945.jpg)
Hello
Your question to the Journal Community Your comments on articles will show your real name and not a username.Why?
Create a Journal Community profile to avoid this message in the future. (As a member you agree to use your real name when participating in the Journal Community)