• The Wall Street Journal

Das iPhone kommt groß raus

Das weltweit beliebteste Smartphone wird diese Woche deutlich schneller, dünner, leichter und bekommt mit Vier-Zoll-Diagonale einen größeren Bildschirm, ohne bei Akkulaufzeit, Qualität der Verarbeitung nachzulassen. Auch der gewohnte Komfort beim Halten in der Hand bleibt.

Reuters/Beck Diefenbach

Das iPhone 5 in weiß.

Das ist meine kurze Meinung zu Apples neuem iPhone 5, der sechsten Generation des Kult-Gerätes, das am Freitag unter anderem in Deutschland und den USA in die Läden kommt. Ich habe das iPhone nun beinahe eine Woche lang getestet und kann es empfehlen, abgesehen von ein paar negativen Aspekten. Die neue Maps-App hat neben große Vorteilen, auch Nachteile. Alles in allem ist für mich das iPhone nach wie vor das beste Smartphone auf dem Markt, auch wegen des gigantischen Angebots von 700.000 Apps von Drittherstellern sowie Medien-Inhalten aller Art.

Was ist neu am iPhone 5

Der Preis ist in Deutschland gestiegen. Das günstigste Modell mit 16 Gigabyte Speicher kostet ohne Vertrag nun 679 Euro, das Modell mit 32 Gigabyte 789 Euro und das 64-Gigabyte-Modell 899 Euro.

Größerer Bildschirm

In der Art wie der Bildschirm vergrößert wurde, wählte Apple einen anderen Ansatz als seine Konkurrenten. Die Breite blieb gleich, nur der Höhe wurde etwas hinzugefügt, um den Screen von 3,5 Zoll auf vier Zoll zu vergrößern. Wer die riesigen Bildschirme anderer Smartphones bevorzugt – wie das 4,8-Zoll-Display von Samsungs Galaxy S III – dem wird der iPhone-Bildschirm nicht reichen. Die Bildschirme der Konkurrenz sind normalerweise sowohl breiter als auch höher.

Umfrage

Dennoch finde ich den neuen iPhone-Bildschirm deutlich leichter zu halten und zu steuern als die größeren der Konkurrenz, weshalb ich ihn vorziehe. Meiner Meinung nach führt Apples Ansatz dazu, dass das Telefon deutlich bequemer zu nutzen ist, besonders einhändig. Es ist leichter, es in einer Hosentasche oder Handtasche zu transportieren und sieht beim Telefonieren natürlicher aus.

Wenn Sie es anschalten, werden Sie feststellen, dass der neue, größere Bildschirm mehr Inhalte darstellen kann – sechs Reihen Icons statt fünf. Ebenso können natürlich auch mehr Kontakte, E-Mails und Kalendereinträge angezeigt werden, ohne dass Sie scrollen müssen.

Trotz Vergrößerung hat es Apple geschafft, die Pixeldichte beim iPhone 5 im Vergleich zu den Vorgängermodellen beizubehalten, sodass der „Retina"-Effekt bleibt, der die Schärfe des Bildschirms ausmacht. Der Bildschirm sieht nach wie vor großartig aus.

Es gibt einen vorübergehenden Nachteil: Viele Apps werden den größeren Bildschirm zunächst nicht nutzen. Beim Öffnen werden daher ein schwarze Ränder oben und unten zu sehen sein.

Design

Auch wenn das neue Modell kein radikal neues Design bekommen hat, bietet das Gerät deutlich mehr Neuerungen, als das beim aktuellen iPhone 4S bei Markteinführung im vergangenen Jahr der Fall war. Sobald Sie das iPhone 5 in die Hand nehmen, werden Sie feststellen, dass es deutlich leichter ist – 20 Prozent, um genau zu sein. Es ist so viel leichter, dass man sich erst fragt, ob es sich vielleicht um eine Demonstrations-Attrappe handelt und nicht um ein echtes Telefon.

Dennoch handelt es sich – anders als bei vielen Konkurrenten – nicht um Gerät, dass sich dürftig nach Plastik anfühlt. Obwohl Apple behauptet, dass es sich beim iPhone 5 um das dünnste Smartphone der Welt handelt – es ist 18 Prozent dünner als der Vorgänger – bewahrt es Apples Markenzeichen und bleibt eine Metall-Konstruktion, die haptisch grundsolide wirkt – nur, dass die Rückseite diesmal aus Aluminium statt aus Glas ist. Wie viele Apple-Produkte ist es gelungen.

Eine Design-Änderung allerdings gibt es, die einige Leute ärgert: Die Verschlankung erforderte einen dünneren Connector – also jene Schnittstelle, mit der das Ladekabel angeschlossen oder das iPhone mit anderen Geräten wie Lautsprechern verbunden wird. Das passende Kabel ist beim iPhone serienmäßig dabei, doch die Nutzer müssen einen neuen Ladeadapter kaufen, der in Deutschland stolze 29 Euro kostet.

Das iPhone 5 kann außerdem mit einer Menge neuer Software-Funktionen aufwarten – fast alle sind allerdings auch für die älteren iPhones durch ein kostenloses Software-Update auf Apples neues mobiles Betriebssystem iOS 6 verfügbar.

Geschwindigkeit, Akkulaufzeit und Kamera

Die vielleicht größte funktionale Verbesserung dieses iPhones – etwas, das sich nicht per Software auf einem älteren Modell herstellen lässt – ist Geschwindigkeit. Apple hat das iPhone endlich mit dem schnellsten mobilen Netz verbunden - LTE genannt. Downloads und Uploads von Daten sind nun blitzschnell, selbst wenn Sie nicht mit dem WLAN verbunden sind. Außerdem arbeitet auch der Prozessor doppelt so schnell.

Apple ist nun wirklich nicht der erste Smartphonehersteller, der LTE in seine Telefone einbaut – sondern eher einer der letzten. Der Zugang zu LTE ist dennoch ein großer Schritt, besonders weil die neue Mobilfunktechnik die Akkulaufzeit nicht verkürzt – ganz anders als bei vielen anderen LTE-Modellen.

Umfrage

Ich nutzte das iPhone 5 mit dem LTE-Netz des US-Mobilfunkanbieters Verizon im Silicon Valley und in Washington D.C. Dabei konnte ich durchschnittlich einen Datendurchsatz von fast 26 Megabit pro Sekunde für Downloads und fast 13 Megabit pro Sekunde für Uploads feststellen. Die schnellste Download-Geschwindigkeit, die ich beobachtete, waren 42 Megabit pro Sekunde. Die gemessenen Geschwindigkeiten sind mehr als zehn Mal so hoch wie die typischen Datenraten, die ich mit dem iPhone 4S im langsameren UMTS-Netz von Verizon erreiche. Und sie sind schneller als die meisten Internetanschlüsse in amerikanischen und deutschen Haushalten. LTE betrifft nur die Datenübertragung – aber auch die Telefonate, die ich mit dem iPhone 5 führte, zeichneten sich durch einen klaren Klang aus, der besser war als zuvor mit dem 4S. Anrufe brachen während meines Tests nicht ab.

Der Akku des iPhone 5 hielt zwischen neun und 12 Stunden am Tag durch – bei einer gemischten Nutzung. Für die Mehrzahl der Nutzer wird das Telefon einen Tag lang ohne Laden benutzbar sein.

Die Kamera auf der Rückseite hat Apple geschrumpft, doch die Auflösung bleibt bei acht Megapixeln. Neu ist eine coole und einfach zu nutzende Panorama-Funktion. Außerdem können Fotos auch dann geschossen werden, wenn gerade ein Video aufgenommen wird. Die Fotos und Videos, die ich aufgenommen habe, sahen großartig aus und wirkten vor allem bei wenig Licht besser als beim 4S.

Maps und Software

Google vs. Apple

Vergleichen Sie Google Maps und Apple Maps.

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DasWeiße Haus auf Apple Maps (iPhone 5)

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Das Weiße Haus auf Google Maaps (iPhone 4S)

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Die Navigation des iPhone 5 mit Apple Maps

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Die Navigation von Google Maps auf dem iPhone 4S

Den größten Nachteil, den ich entdecken konnte, ist die neue Maps-Applikation für topographische und andere Karten. Apple hat Google Maps durch eine eigene App ersetzt. Sie hat einen großen Vorteil gegenüber der iPhone-Version von Google Maps, bietet sie doch eine kostenlose, sprachgesteuerte Navigations-Software für Autos. Google hatte diese Funktion nur für Maps auf Android-Telefonen verfügbar gemacht, sie auf dem iPhone des Konkurrenten Apple aber ausgeschlossen. Die neue Navigation von Apple funktionierte im Praxistest sehr gut, mit klaren Anweisungen und großen grünen Schildern für die Highways.

In anderer Hinsicht ist die App allerdings ein Rückschritt gegenüber Googles Maps. Zum Beispiel bietet Google einen „Überflug-Modus" in 3D bei einigen großen Städten oder die Streetview-Funktion, um sich die Straßen aus der Vor-Ort-Perspektive anzusehen. Das fehlt bei der Apple-Map. Auch die Wegbeschreibungen für öffentliche Verkehrsmittel – in Deutschland ohnehin bei Googles Maps nicht verfügbar - fehlt. Apple wird stattdessen auf eine Dritthersteller-App verlinken. Auch wenn Apples Karten insgesamt korrekt sind, ist die Standard-Ansicht stärker vergrößert als bei Google, was sie zunächst leerer erscheinen lässt, solange man nicht herauszoomt.

Siri auf dem iPhone 5 kann Filme und Sportinformationen anzeigen.

Siri, Apples sprachgesteuerter Assistent, ist nach wie vor häufig unzuverlässig (das Programm ist immer noch im Beta-Status). Einige Versuche, neue Funktionen wie das Nachschlagen von Filmen und Sportergebnissen zu nutzen, verliefen allerdings erfolgreich. Siri erlaubt Ihnen nun Facebook -Nachrichten zu diktieren und zu veröffentlichen sowie Restaurants über die separate App OpenTable zu reservieren.

A propos Facebook: Apple hat das Teilen von Inhalten so eingebettet, dass die Funktion mit vielen verschiedenen Apps funktioniert.

Außerdem gibt es eine nette neue Funktion für Anrufe, die Sie derzeit nicht entgegennehmen können. Dazu können Sie entweder eine vorgefertigte SMS - etwa „Ich rufe später zurück" - senden oder eine Erinnerung einstellen, den Anrufer später zurückzurufen.

Die Video-Telefonie-App Facetime funktioniert nun über Mobilfunk genauso gut wie über WLAN. Ich war in der Lage, verschiedene glasklare Videotelefonate über LTE zu führen, einer davon aus einem Auto heraus.

Außerdem hat Apple einen neuen Service für das Teilen von Fotos eingeführt, der bestimmten Freunden eine von Ihnen ausgewählte Auswahl von Fotos zeigt. Jedes neue Foto, das Sie dem Stream hinzufügen, wird dem Abonnenten auf dem eigenen Telefon angezeigt, und er kann es kommentieren.

Einige Telefone der Konkurrenz haben Funktionen eingeführt, die Apple vermieden hat. So zum Beispiel die drahtlose Technik namens NFC, die einem das berührungslose mobile Zahlen erlaubt sowie Gesichtserkennung als Zugriffsschutz. Ich halte diese Funktionen allerdings entweder für kaum genutzt oder noch unreif.

So ist NFC beispielsweise in den meisten Läden nicht verfügbar und in meinen Tests von Gesichtserkennungen funktionierten diese ab und zu nicht. Für einige sind diese Funktionen sehr wichtig, aber ich wette den meisten Nutzer sind sie egal, zumindest bei ihrem derzeitigen technischen Stand.

Fazit

Apple hat ein Produkt genommen, das ohnehin schon großartig war – und es insgesamt noch besser gemacht. Kunden die große Bildschirme oder einige wenige nicht vorhandene Funktionen bevorzugen, haben eine große Auswahl – aber das iPhone 5 ist eine sehr gute Wahl.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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