• The Wall Street Journal

Costolo will Twitter auf Facebook-Kurs bringen

Twitter-Chef Dick Costolo will den Nachrichtendienst leichter nutzbar machen. Die neuen Funktionen könnten das Unternehmen aber zusehends in Konflikt mit seinen derzeitigen Verbündeten bringen.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte Costolo, Twitter wolle seinen Nutzer helfen, Nachrichtenwellen zu Großereignissen und Sportevents besser zu verstehen. Um bestimmte „Leuchtturm-Ereignisse" solle auf Twitter eine Live-Präsenz entstehen. Costolo erklärte, Twitter bemühe sich, „die geteilte Erfahrung auf Twitter stärker mit dem tatsächlichen Event zu verbinden." Twitter will es auch Drittanbietern wie etwa Konferenzveranstaltern erleichtern, Tweets zu lokalen Ereignissen zu organisieren.

Bryan Thomas for The Wall Street Journal

Twitter-Chef Dick Costolo im Interview mit dem Wall Street Journal.

Gleichzeitig wolle das sechs Jahre alte Unternehmen aus San Francisco anderen Firmen stärker erlauben, Funktionen bei Twitter einzubauen, die man selbst nicht anbieten könne oder wolle, sagte Costolo. Twitter wolle sich von Unternehmen abwenden, die Twitter bei sich einbinden, hin zu einer „Welt, in der die Leute ihre Angebote bei Twitter einbringen." Das würde Twitter stärker zu einer Plattform machen, bei der Softwareentwickler wie bei Facebook oder Apple -Geräten ihre Anwendungen anbieten.

Damit setzt Twitter weiter seinen Kurs fort, neue Nutzerschichten zu erobern und ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Unternehmensführung kämpft immer noch gegen den Ruf, der Dienst sei nur ein Tummelplatz von Technikfreaks und Narzissten. Und sie kämpft gegen Zweifel am Wachstumspotenzial von Twitter.

Konkurrenz zu anderen Medienunternehmen

Facebook hat diese Probleme schon früh gelöst. Jetzt hat das Unternehmen mehr als 900 Millionen aktive Nutzer weltweit im Monat und einen Jahresumsatz von 3,7 Milliarden US-Dollar. Bei Twitter sind monatlich 140 Millionen Nutzer aktiv. Analysten schätzen den Umsatz in diesem Jahr auf weniger als 300 Millionen Dollar. Das Nutzerwachstum ist der Schlüssel in der 8,4 Milliarden schweren Bewertung von Twitter und könnte den Weg zu einem Börsengang vielleicht schon im kommenden Jahr ebnen.

Der ehemalige Google -Manager Costolo führt Twitter seit 2010 und hat seitdem die Anzeigen- und Verkaufsabteilung aufgestockt, ein Führungsteam aufgebaut und die Verlässlichkeit des Dienstes verbessert. Costolo sagt, er predige seinen Mitarbeitern: „Wir müssen die Lücke zwischen der Bekanntheit und der Nutzung von Twitter schließen."

Das Ziel, die Flut an Tweets besser zu sortieren, bringt Twitter in direkte Konkurrenz zu anderen Medienunternehmen, die ebenfalls Nachrichten und Informationen auswählen und bearbeiten und dabei Anzeigen verkaufen. Die neue Olympiaseite von Twitter könnte den Medienpartner NBC Universal etwa Zuschauer oder Nutzer kosten. Costolo spielt den Konkurrenzaspekt aber herunter: „Twitter ist ein Technologieunternehmen im Mediengeschäft."

„Wir haben kein Problem damit, Twitter zu Geld zu machen"

Seit einiger Zeit begrenzt Twitter auch die Nutzung seiner Schnittstellen für Dienste, mit denen Nutzer ebenfalls Tweets lesen oder verfassen können oder die die Nutzer auf andere Seiten bringen. So wurde etwa die Kooperation mit LinkedIn eingestellt. Costolo kündigte an, dass Twitter bald noch strengere Richtlinien vorgeben werde. Viele Entwickler hatten sich unsicher gezeigt, wo Twitter die Grenze zwischen Nachahmern und Erweiterungen für den Dienst ziehen werde.

Costolo sagte, Twitter schlage sich in der schnell wachsenden mobilen Werbung sehr gut. Viele Anzeigekunden sehen das Werbepotenzial in sozialen Netzwerken kritisch, und Unternehmen wie Google oder Facebook haben Schwierigkeiten, ihre Erfolge im Anzeigengeschäft auch auf die Mobilgeräte zu übertragen. „Wir haben kein Problem damit, Twitter zu Geld zu machen. Punkt", sagte Costolo.

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