Von URSULA QUASS
Zwei junge deutsche Unternehmen schicken sich an, die Welt mit ihrer Technik aufzurollen – zumindest nach Meinung des Weltwirtschaftsforums. Seit 2000 vergibt die Organisation die Auszeichnung „Technology Pioneer". Diese bekamen in der Vergangenheit schon heutige Branchengrößen wie der Kurznachrichtendienst Twitter und der Online-Bezahldienst PayPal verliehen. In diesem Jahr reihen sich der Würzburger Isolierspezialist va-Q-tec und das soziale Musik-Netzwerk SoundCloud aus Berlin in den illustren Kreis ein. Ihre Technologie - ultradünne Isolierstoffe von va-Q-tec und der schnelle und problemlose Austausch von Audiodateien via SoundCloud - haben nach Ansicht des Weltwirtschaftsforums das Potenzial, die Unternehmen zu nachhaltigen Marktführern in ihrem Bereich zu machen.
Ob sie dieses Potenzial auch umsetzen können, wird sich aber erst noch zeigen. Vorerst haben sich die beiden deutschen Start-ups aber an die Spitze der Nachwuchsunternehmen gesetzt. 800 Firmen waren in diesem Jahr für den renommierten Preis nominiert, 23 dürfen sich mit dem Titel „Technology Pioneer 2013" schmücken. Acht davon kommen aus Europa – darunter va-Q-tec (sprich „Vaku-Teck") und SoundCloud.
Wie eine Thermoskanne in Plattenform
Den Würzburger Isolierspezialisen va-Q-tec lobt das World Economic Forum vor allem für die Nachhaltigkeit seiner Produkte: Das 2001 gegründete Unternehmen hat Vakuumisolationspaneele entwickelt, die mit weit weniger Dämmstoff auskommen als herkömmliche Isolierungen.
Der Trick dahinter ist im Prinzip ganz einfach: „Sie müssen sich das vorstellen wie eine Thermoskanne in Plattenform", sagt Sprecherin Katharina Wünsche. „Dadurch, dass keine Luft mehr drin ist, hält der Isolationseffekt sehr lange an." Dafür wird das Füllmaterial in eine Art Aluminiumverbundfolie eingeschweißt und die Luft herausgezogen. Optisch erinnert so ein Paneel an vakuumverpacktes Kaffeepulver.
Die Jury des World Economic Forum überzeugte, dass ein Paneel von va-Q-tec zehnmal besser dämmt als konventionelle Dämmstoffe. Anstatt 20 Zentimeter Schaumstoff, Styropor oder Glasfaser auf herkömmliche Weise zu verbauen, reichen zwei Zentimeter des innovativen Materials für eine effektive Dämmung. Die Anwendungsgebiete der platzsparenden Paneele sind groß: Sie werden zum Beispiel in Kühlgeräten , Thermoverpackungen für Medikamente, in Gebäuden oder Elektroautos eingesetzt. Selbst eine Raumsonde hat va-Q-tec schon ausgestattet.
Verkehr und Konsumgüterindustrie im Visier
Und das Ende der Fahnenstange ist damit für Vorstandschef Joachim Kuhn noch lange nicht erreicht. „va-Q-tec wird sich in den kommenden Jahren zunehmend zum Spezialisten für Wärmedämmlösungen in verschiedenen Industriebereichen entwickeln", beschrieb er im Gespräch mit dem Wall Street Journal die Zukunftsaussichten. Vor allem im Bereich Verkehr und der Konsumgüterindustrie wittert der für die Strategie des Unternehmens zuständige Manager „noch viele Anwendungen". Wo heute noch ein ganzes Kühlfahrzeug anfahren muss, könnten Eis, Tiefkühlgemüse und gefrorene Pizza künftig in Spezial-Trolleys oder -Boxen verpackt in einem ganz normalen Transporter geliefert werden.
„Das Thema Energieeffienz ist ein globales Thema von höchster Priorität und entsprechend werden solche Dämmlösungen auch weltweit gefragt sein", ist Kuhn überzeugt. Daher richtet sich das Unternehmen auf eine wachsende globale Nachfrage ein. In den nächsten 20 Jahren dürfte das Marktpotenzial in Europa und in den USA auf jeweils rund 1,5 Milliarden Euro, in Asien auf etwa 2 Milliarden Euro wachsen, schätzt der 48-jährige Firmengründer.
Aktuell liege der Weltmarkt noch bei bescheidenen 100 bis 150 Millionen Euro, davon entfalle auf va-Q-tec ein Anteil von 10 bis 20 Prozent. Das beschert den Würzburgern einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Der Gewinn betrage einen einstelligen Prozentwert des Umsatzes, konkretere Zahlen lässt sich Kuhn nicht entlocken. va-Q-tec will aber schnell wachsen: In 5 bis 7 Jahren soll der Umsatz schon im dreistelligen Millionenbereich liegen.
Umschlagplatz für Audiodateien
Beim zweiten deutschen Technologiepionier, SoundCloud, stehen Musik und Töne aller Art im Zentrum. Was die Foto-Community Flickr oder das Internet-Videoportal YouTube bei Bilddateien ermöglicht, wollten die beiden Gründer Eric Wahlforss und Alexander Ljung auch für Audiodateien schaffen: diese einfach und schnell jedermann im Internet zugänglich machen.
Einst als Anlaufstation für Musiker zum unkomplizierten Austausch großer Audiodateien gegründet, hat sich SoundCloud seit dem Start 2007 längst zur Plattform für jedermann entwickelt. Schließlich, so sagten die beiden Gründer Alex Ljung und Eric Wahlforss einmal, trage jeder mit seinem Mobiltelefon auch ein Mikrofon mit sich herum.
Ob ein neues Musikstück oder das erste Wort des eigenen Kindes: Mit einem Knopfdruck lassen sich die Audiodateien aufnehmen, hochladen und in Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter einbinden und mit anderen teilen. Grafisch dargestellt wird die Datei in Wellenform. Das ermöglicht anderen, eine Stelle punktgenau zu kommentieren. So entsteht um die Musik oder Töne eine Community. Und die wächst sprunghaft: Zu Jahresbeginn verzeichnete SoundCloud mehr als zehn Millionen registrierte Nutzer, im Mai waren es bereits mehr als 15 Millionen und mittlerweile nutzen nach Angaben einer Unternehmenssprecherin bereits über 20 Millionen Menschen die Dienste des sozialen Musiknetzwerks.
Nach den Zukunftsaussichten befragt, bleibt SoundCloud allerdings wolkig: Die Gründer seien derzeit so beschäftigt, dass es nicht möglich sei, kurzfristig auf Fragen zu antworten, ließ die Sprecherin ausrichten.
Möglich wurde die Wachstumsgeschichte nur mit Fremdkapital Nach den Wagnisfinanzierungsgesellschaften Union Square Ventures und Index Ventures, die schon für Start-Ups wie Twitter und den Internet-Telefonieanbieter Skype Anschubhilfe geleistet haben, hat SoundCloud auch Doughty Hanson Technology Ventures für eine Kapitalspritze gewinnen können. 2,5 Millionen Euro pumpte der Technologie-Finanzierer im April 2009 in das Unternehmen. Im Januar dieses Jahres schließlich konnten die Berliner mit Kleiner Perkins Caufield & Byers einen der renommiertesten Risikokapitalgeber für sich gewinnen. Angeblich haben die Kalifornier 50 Millionen Dollar in SoundCloud gesteckt.
Kontakt zum Autor: ursula.quass@dowjones.com









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