• The Wall Street Journal

Die geheimnisvollen Bilder auf dem Mars

Seit mehr als zwei Wochen sitzt der pensionierte Bildhauer George J. Haas gebannt vor seinem Computer und beobachtet, wie der NASA-Roboter „Curiosity" seine ersten Fotos von der Marsoberfläche übermittelt. Haas und eine kleine Gruppe von Kollegen suchen seit Jahrzehnten auf Bildern vom Mars nach Merkmalen, die von Menschen geschaffen sein könnten.

Über die Jahre haben sie unter anderem ein Gesicht entdeckt, das sie als halb menschlich, halb katzenartig beschreiben. Außerdem gebe es eine Papageienform auf einem Felsen mit „17 korrekten anatomischen Merkmalen".

Neue Fotos vom Mars

NASA/JPL-Caltech/AFP/Getty Images

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Seit Jahrtausenden suchen die Menschen am Himmel nach wissenschaftlichen, existentiellen und religiösen Antworten. Schon lange bevor der technologische Fortschritt den Menschen Nahaufnahmen der benachbarten Planeten lieferte, sahen antike Kulturen in der Anordnung von Sternen und Planeten Tiere und andere Formen. Der Mars-Rover Curiosity soll einige dieser Geheimnisse des Weltalls jetzt aufklären.

Haas ist Mitautor zweier Bücher, die historische mittelamerikanische Bilder mit dem Papagei und dem Gesicht auf dem Mars vergleichen. Daraus schließt er, dass derjenige, der diese Reliefs auf dem Mars geschaffen hat, den Maya auch ihre Mythen über die Erschaffung der Welt vermittelt hat.

Haas und seine Kollege sind wegen ihrer Forschung in die Kritik einiger Mainstream-Akademiker geraten, doch Haas hält an seinen Theorien fest. „Ich erkenne Kunst wenn ich sie sehe", sagt Haas, ehemals Präsident der Bildhauervereinigung von New Jersey. Er weiß jedoch, dass an so etwas nicht jeder glaubt. „Die amerikanische Öffentlichkeit ist womöglich noch nicht bereit für diesen Papagei", sagt er.

Neben dem sagenumwobenen Mann im Mond gibt es auch Legenden über einen Hasen im Mond. Dieser sei in den Formen zu sehen, die durch die Mondkrater entstehen, sagen einige.

„Kröten, Mäuse, Katzen, Löwen, Bären, Füchse – all diese Tiere wurde schon auf dem Mond gesichtet und in Legenden eingebaut", heißt es in einem Artikel von 1902 im American Journal of Psychology von J. W. Slaughter. Seitdem Weltallkameras immer bessere Bilder liefern, und das auch von Planeten, die weiter entfernt sind als der Mond, sind die Theorien und Legenden anscheinend nur noch zahlreicher geworden.

NASA/JPL/Malin Space Science Systems

Nachdem 1976 ein Bild vom "Gesicht vom Mars" Spekulationen anheizte, erstellte die NASA eine 3D-Ansicht der Region. Das Bild besteht aus zwei Aufnahmen: eine vom Juni 2000, eine vom April 2001.

1976 fotografierte die Raumsonde Viking 1 eine Region des Mars namens Cydonia. Einige Beobachter sahen eine Form, die ihnen wie ein menschliches Gesicht erschien. Das „Gesicht vom Mars" hat so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass die NASA eine Kamera an Bord des Mars Global Surveyor – einem Raumfahrzeug, das im November 1996 von der Erde aus gestartet ist – installierte, um weitere Bilder der Region aufzunehmen.

Horace W. Crater, Physikprofessor am Raumfahrtinstitut der University of Tennessee und derzeit Präsident der Society for Planetary SETI Research, gehört zu denen, die von der NASA mehr Informationen über dieses Gesicht verlangten. SETI steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence", die Suche nach außerirdischer Intelligenz.

Aufgrund des Aufruhrs um das Gesicht, sagt Crater, hätten er und fünf Kollegen sich 1997 in Washington, D.C., mit Vertretern der NASA getroffen. „Es war ein sehr gutes Treffen", sagt Crater. „Wir waren dankbar, dass sie sich mit uns treffen wollten."

Roboter der Superlative landet auf dem Mars

Die NASA verkündete später, dass die Bilder von der Cydonia-Region auf dem Mars eine „natürliche Gesteinsformation" zeigten und nicht künstlichen Ursprungs seien. Doch je näher die Menschen diesen Planeten kommen, desto mehr sehen sie dort.

Im vergangenen Sommer gab ein italienischer Besucher der Mars-Webseite von Google an, das Gesicht des indischen Unabhängigkeitsführer Mahatma Gandhi gesehen zu haben. Er veröffentlichte ein Video auf Youtube, um seine Entdeckung zu beweisen.

Anfang dieses Jahres fotografierte eine Kamera auf einer Marssonde eine Form, die wie das Profil eines Elefanten aussah. Die Form war durch Lavaflüsse entstanden, heißt es auf der Internetseite des High Resolution Imaging Science Experiment der NASA, kurz HiRISE.

Micky Maus auf dem Merkur?

Wenige Wochen später schickte das Raumschiff Messenger, das den Merkur umkreist, ein Foto, auf dem eine Form auf der Planetenoberfläche zu sehen war, die dem Kopf von Micky Maus ähnelte. Das berichtet das Lunar and Planetary Institute, ein Forschungsinstitut, das an verschiedenen NASA-Programmen mitarbeitet.

„Als Menschen sehen wir eben Muster", sagt Ari Espinoza, ein Sprecher von HiRISE. Espinoza sagt, sein Team nutze die Internetseite des Projekts, um Aufmerksamkeit für Bilder wie den Elefanten zu gewinnen und so mehr Interesse von der Öffentlichkeit zu ergattern. Vor kurzem habe er eine Gesteinsformation gesehen, die wie eine Schwertlilie aussah.

Espinoza sagt, er erhalte eine Menge E-Mails und Internetkommentare von neugierigen Beobachtern, doch selten glaube jemand ernsthaft, dass diese Bilder etwas anderes als ein Zufall sind. Das hält Haas und andere jedoch nicht davon ab, daran zu glauben, dass mehr dahinter steckt.

Wilmer Faust, ein weiterer Mars-Begeisterter, war der erste Mensch, der 2002 die Papageienform sah, heißt es auf einer Internetseite über die Forschung zu dem Papagei. Doch er hätte den Papagei gar nicht erkannt, sagt er, wenn sein eigener Papagei nicht losgekrächzt und seinen Kopf in Richtung des Bildschirms genickt hätte, heißt es auf der Seite.

Faust und Haas trafen sich in einem Internetforum und begannen kurz darauf, mit drei weiteren Interessierten an den Marsbildern zu arbeiten. Ihr Projekt nannten die „Teardrop", nach den tränenförmigen Reliefs in der Utopia-Planitia-Regioin auf dem Mars.

Wenn Curiosity tatsächlich Anzeichen für Leben auf dem Mars findet, sagt Michael A. Meyer, Forschungsleiter des Mars Exploration Program der NASA, werde die Regierung „eine große Ankündigung" machen, und die weltweite Wissenschaftsgemeinschaft werde Monate oder Jahre lang darüber diskutieren, was das zu bedeuten habe. „Die renommiertesten Wissenschaftler würden sich in die Debatte einmischen, da bin ich mir sicher", sagt Meyer.

Viele ungeduldige Curiosity-Fans haben mit Bildbearbeitungsprogrammen schon ihre eigenen Versionen der ersten unscharfen Marsbilder geschaffen. Ein Bild zeigt einen schmutzigen Starbucks-Becher, der halb im roten Sand vergraben ist. Haas hält nichts von solchen „Dummheiten", da sie von der ernsthaften Forschung über die Bilder ablenken. „Es gibt viel Unsinn da draußen", sagt er.

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