Von DOUG CAMERON
Die aufstrebenden Fluggesellschaften aus den arabischen Ländern setzen die etablierten Schwergewichte der Branche schon seit geraumer Zeit unter Druck. Gestützt von niedrigen Lohn- und Steuerkosten jagen sie Lufthansa und Co zunehmend Passagiere ab. Nun verstärken die Araber die Zusammenarbeit mit ihren Rivalen. Mit Qatar Airways tritt die erste Airline aus den arabischen Ölstaaten einer internationalen Flugallianz bei. Und auch Wettbewerber Etihad Airways baut seine Kooperationen weiter aus. Der Partner der schwächelnden deutschen Fluggesellschaft Air Berlin arbeitet künftig mit Air France zusammen.
Für die europäischen Fluggesellschaften markiert die Zusammenarbeit der Franzosen mit den Arabern eine Zeitenwende. Denn damit tut sich erstmals eine der etablierten europäischen Airlines mit einer der aufstrebenden Carrier aus den arabischen Ländern zusammen. Den Strategiewechsel erklärt Air-France-Vizepräsident Dominique Patry mit der Stärke der Araber. "Es gibt ein altes Sprichwort: Wenn du sie nicht besiegen kannst, arbeite mit ihnen zusammen", erklärte er.
Die arabische Fluggesellschaft Etihad bekräftigt mit dem Deal vor allem ihre Präferenz für bilaterale Partnerschaften. Die internationalen Luftfahrtverbände haben dagegen für die Araber nur untergeordnete Bedeutung. Die One-World-Mitgliedschaft ihrer Tochter Air Berlin sei "sekundär", hatte Etihad-Chef James Hogan jüngst in einem Zeitungsinterview gesagt.
Eine Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften zweier unterschiedlicher Allianzen ist für Etihad dabei kein Problem. Zu der bereits bestehenden Kooperation mit dem One-World-Mitglied Air Berlin kommt nun die Partnerschaft mit dem Sky-Team-Mitglied Air France-KLM hinzu. Damit sorgen die Araber dafür, dass sich die ehemals starren Grenzen zwischen den Luftfahrtverbünden One World, Star Alliance und Sky Team zunehmend auflösen.
Anders als Etihad misst Wettbewerber Qatar Airways bei seiner Expansionsstrategie einer Mitgliedschaft in einer der drei internationalen Allianzen mehr Bedeutung zu. Der Eintritt in den kleinsten der drei Luftfahrtverbünde, One World, ist für Ende des nächsten Jahres oder Anfang 2014 geplant. Dabei nehmen die Araber offensichtlich Spannungen innerhalb des Verbundes in Kauf. Verhandlungen des One-World-Mitglieds American Airlines mit dem Rivalen Emirates Airline stehen dem geplanten Beitritt offenbar nicht im Wege.
Die starren Grenzen zwischen den internationalen Allianzen scheinen zunehmend zu bröckeln. "Die Tage, in denen eine Fluggesellschaft sich für eine der drei Allianzen entscheiden musste, sind vorbei", sagte Craig Jenks, Präsident des Beratungsunternehmens Airline/Aircraft Projects.
Zudem dürften nun nicht mehr alle Airlines im gleichen Maße von einer Mitgliedschaft in einem der drei internationalen Verbünde profitieren. "Nicht jede Fluggesellschaft zieht den gleichen Nutzen aus so einer Allianz", sagte Willie Walsh - CEO der British Airways-Mutter International Airlines Group. "Ich glaube, es geht hier vor allem um eine geänderte Einstellung. Während wir in der Vergangenheit Möglichkeiten ausgelassen haben, damit alle (Mitglieder) im gleichen Maße profitieren, können wir uns das heute nicht mehr leisten", fügte er hinzu.
So dürfte dem One-World-Mitglied Finnair die Aufnahme des arabischen Carriers Qatar Airways in den Luftfahrtverbund sogar schaden, denn die Araber sind nun innerhalb des Bündnisses direkte Konkurrenten der Finnen. Ähnlich wie Qatar Airways konzentriert sich die finnische Fluggesellschaft darauf, Passagiere von Europa nach Asien zu transportieren.
Trotz des Wettbewerbs begrüßen die Finnen das neue Allianz-Mitglied. Qatar Airways würde die Vielfalt innerhalb des Verbundes erhöhen und eine Alternative zu Royal Jordanian Airlines bieten, die ebenfalls One World angehören.
Mitarbeit: John Kell, Daniel Michaels, David Pearson
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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