Von ANN ZIMMERMAN
Mit einem Tablet-PC für Kinder will die Spielwarenkette Toys R Us auf das so genannte „Showrooming"-Phänomen reagieren, das viele große Einzelhändler hart trifft. Am Montag will das Unternehmen ein 149,99 Dollar teures eigenes „Tabeo" vorstellen, das es nur bei Toys R Us geben soll. Käufer können also nicht ins Geschäft gehen, das Gerät dort ausprobieren, und es anschließend billiger bei anderen Onlinehändlern kaufen.
Neben dem Druck durch Onlinehändler wie Amazon fühlt Toys R Us auch den sich verschärfenden Preiskampf mit Einzelhandelsketten wie Wal-Mart und Target.
„Unsere Strategie lautet: Wir bieten Produkte an, die es sonst nirgends zu kaufen gibt oder wir sind günstiger", sagte der Manager Troy Peterson von Toys R Us. Doch während sich über Produkte mit eigener Marke in der Regel höhere Margen generieren lassen, geht Toys R Us mit dem Tablet ein Risiko ein, warnen Experten.
Zum einen gibt es reichlich Mitbewerber. Toys R Us hat sein Produkt preislich deutlich unter denen der Konkurrenz angesiedelt. Drei ähnliche Produkte gibt es bereits für Kinder, und Kurio 7, Meep und Lexibook beeilten sich schnell, ihre Tablets auf den gleichen Preis zu senken – dabei wird es das Tabeo erst Ende Oktober zu kaufen geben.
Tablets für Kinder könnte außerdem von denen für Erwachsene Konkurrenz drohen. Der Preis für Amazons Kindle Fire ist gerade auf 159 Dollar gefallen. Und Eltern, die auf ein neues iPad von Apple warten, könnten ihre alten Geräte an den Nachwuchs weitergeben.
Sollte sich das Tabeo nicht gut verkaufen, hat Toys R Us ein Problem. Spielehersteller übernehmen häufig eine Garantie für den Preis ihrer Produkte und zahlen drauf, wenn die Einzelhändler den Preis senken müssen, um den Verkauf anzukurbeln. „Der Nachteil von Handelsmarken ist: Wenn sie floppen und reduziert werden müssen, dann kann der Einzelhändler den Hersteller nicht zur Verantwortung ziehen", sagt Sean McGowan, Spielzeuganalyst bei Needham. „Das ist sonst ein bedeutender Teil des Spielzeughandels."
Die Verkäufe lassen nach
Die Branche hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Der Verkauf von Spielwaren fiel im letzten Jahr um zwei Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar. Als Gründe wurden die schwierige Wirtschaftslage, ein Rückgang bei den „must have"-Produkten und die gesteigerte Nachfrage nach digitalen Spielzeugen genannt.
Toys R Us hatte Probleme mit dem Preiswettbewerb. Zwei Jahre in Folge sanken die Gewinne, der Jahresumsatz blieb mit etwa 14 Milliarden Dollar relativ gesehen auf einem konstanten Niveau. Vergangene Woche berichtete das Unternehmen, dass die Verkäufe in den US-Geschäften, die länger als ein Jahr lang geöffnet sind, im zweiten Quartal um 3,4 Prozent gefallen sind. Der Verlust wird bei 36 Millionen Dollar liegen – ein Jahr zuvor waren es noch 34 Millionen. Grund für die schlechten Zahlen seien die schwache Wirtschaft in Europa und ein Rückgang im weltweiten Geschäft mit Videospielen.
Toys R Us hält sich mit Zahlen normalerweise zurück. Doch weil das Unternehmen öffentlich Schulden aufgenommen hat, veröffentlicht man Umsatz- und Gewinnzahlen. Im Mai 2010 wurde ein Börsengang in die Wege geleitet – die Erstausgabe von Aktien steht jedoch noch aus.
„Toys R Us hat es momentan wirklich nicht leicht", sagte M. Eric Johnson von der Tuck School of Business am Dartmouth College. „Das Geschäft mit Spielwaren wird immer härter, und das Internet trägt seinen Teil dazu bei."
Viele Eltern bevorzugen es nach wie vor, Spielzeug in großen Geschäften zu kaufen. Besonders dann, wenn sie etwas schnell brauchen oder es sich erst ansehen wollen. Doch das Geschäft im Internet nimmt Fahrt auf. Dorothy Edwards, eine Mutter aus Dallas mit einem einjährigen Sohn, besuchte in der vergangenen Woche einen Laden von Toys R Us, um Windeln und Spielzeug für den kirchlichen Kindergarten zu kaufen. „Mit einem Baby braucht man bestimmte Dinge häufig sofort", sagt sie. „Doch wenn ich vorausplanen kann, dann kaufe ich online ein. Da gibt es die größere Auswahl."
Vergangene Weihnachten waren Tablets bei Kindern und Erwachsenen beliebte Geschenke. Der LeapPad Explorer gehörte zu den ersten Geräten, die extra für Kinder entwickelt wurden. Bei vielen Einzelhändlern war das Tablet ausverkauft. Bei Ebay musste man viel mehr bezahlen, als den ursprünglichen Verkaufspreis von 99 Dollar. Das LeapPad - hergestellt von LeapFrog Enterprises - verfügt über keinen Internetzugang und konzentriert sich vor allem auf Bildungsspiele.
Mit Android-Betriebssystem von Google
Das Tablet von Toys R Us läuft mit dem Android-Betriebssystem von Google . Es kommt schon eher an ein normales Tablet für Erwachsene heran. 50 kostenlose Spiele werden mit ausgeliefert – auch so populäre Titel wie Angry Birds sind vorinstalliert. Die Firma hat sogar einen eigenen App-Store entwickelt, worüber bislang etwa 7.000 Apps bezogen werden können. Die Marktforschung hat ergeben, dass Toys R Us es bei seinem Tablet den Eltern nun erlaubt, die Webseiten, die ihre Kinder aufrufen, festzulegen. Auch die Zeit, in der das Gerät genutzt wird, lässt sich beschränken.
Tablets für Kinder
Für Kinder gibt es noch drei andere Tablets, die mit dem Internet verbunden werden können, bei Toys R Us zu kaufen. Alle drei Anbieter haben ihre Preise auf das Niveau des Tabeo gesenkt. Die Geräte sind:
- Das Kurio 7 von Techno Source
- Das Lexibook von Lexibook Ltd.
- Das Meep von by Oregon Scientific
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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