• The Wall Street Journal

Apple plant eigenes Internetradio

dapd

Wunschkonzert für Online-Kunden: Apple plant offenbar eine eigene virtuelle Radiostation nach dem Vorbild von Last.fm oder Pandora.com.

Technologiekonzern Apple plant offenbar eine eigenes Internetradio, um seine Macht im Online-Musikgeschäft noch weiter zu zementieren. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, führt Apple gerade Lizenzgespräche zum Aufbau einer eigenen Radiostation. Vorbild sind Musikdienste wie Last.fm des britischen Anbieters CBS Interactive oder des in Deutschland gesperrten US-Anbieters Pandora Media.

Last.fm oder Pandora.com sind virtuelle Radiosender, in denen Kunden ihre Musikvorlieben angeben können. Der Sender spielt dann stets Lieder passend zum Musikgeschmack des Hörers. Die Angebote lassen sich normal im Internet oder über Smartphone-Apps abrufen und sind in der Regel für den Nutzer kostenlos, aber mit Anzeigen gespickt.

Hieb gegen Rivale Google

Apples geplanter Dienst soll nach Auskunft der Quellen auf der gesamten Gerätefamilie des Konzerns laufen, also auf iPhones, iPads und Mac-Computern. Möglicherweise wird es auch einen Zugang über Computer mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows geben. Smartphones, die Googles Betriebssystem Android nutzen, wären allerdings ausgeschlossen, sagt eine mit der Sache vertraute Person und verweist damit auf die zunehmende Kluft zwischen den Rivalen Apple und Google am Markt.

Ein Apple-Sprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Zahlreiche andere Online-Musikdienste haben ihr Programm jüngst ausgebaut und bieten Hörern nun ein maßgeschneidertes Wunschkonzert der Lieblingskünstler an. Dazu zählt auch der schwedische Anbieter Spotify AB, der wegen Streits um Lizenzrechte erst seit März in Deutschland verfügbar ist

Sollte Apple seine Pläne in die Realität umsetzen, dann dürften die Konkurrenten aber das Nachsehen haben. Apples Präsenz auf dem Markt für Online-Musik ist schon jetzt immens. Der Konzern dürfte vor allem von seinen massig verkauften Mp3-Musikabspielgeräten, Telefonen, iPads und Computern profitieren.

Wie die Insider berichten, hat Apple bereits Gespräche mit Plattenfirmen aufgenommen, um die Lizenzrechte auszuhandeln. Doch selbst wenn diese erfolgreich verlaufen sollten, dürfte es noch ein paar Monate dauern, bis Apples neuer Service an den Start gehen werde, heißt es.

In der Vergangenheit hat das Technologieunternehmen zahlreiche ähnliche Ideen vorangetrieben, aber immer wieder verworfen. Dazu zählt auch ein Angebot ähnlich dem von Spotify, das Nutzern gegen eine feste monatliche Grundgebühr unbegrenzt Musik zur Verfügung stellen sollte. Wie die gut unterrichteten Quellen mitteilen, seien die aktuellen Pläne aber weitaus ernstzunehmender. Geplant sei, dass sich die neue Apple-Radiostation über Anzeigen finanziere.

Seit 2003 beherrscht Apple mit seinem Musikdienst iTunes das Geschäft für Musikdownloads. Inzwischen besitzt Apple den größte Musikvertrieb der Welt – physisch und digital. Aber weil Online-Radios wie Spotify und Pandora immer beliebter werden, fürchtet Apple wohl, den Anschluss zu verlieren. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen Co. hören inzwischen mehr Erwachsene Musik über Pandora als über Apples Dienst iTunes.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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