Von JOHN D. STOLL, SVEN GRUNDBERG und ANTON TROIANOVSKI
Diese Woche dürfte sich entscheiden, ob Nokias riskante Partnerschaft mit Microsoft aufgeht und der finnische Handykonzern den Sprung zurück in die Oberliga der Smartphone-Produzenten schafft. Am Mittwoch will der angeschlagene Konzern in New York seine neuesten Telefone vorstellen, die auf Microsofts Betriebssystem Windows basieren.
Für Nokia steht viel auf dem Spiel, nicht aber für Microsoft. Vor anderthalb verbannten die Finnen ihre eigene Software und rüstete ihre Smartphones stattdessen komplett mit dem Windows-System auf. Noch aber müssen die Telefone beweisen, dass sie das gewünschte Interesse beim Kunden finden. Bislang ist es Nokia nicht gelungen, gegen die übermächtige Konkurrenz von Apple oder anderen Konzernen anzukommen, deren Telefone mit Google Android-Software betrieben werden.
Microsoft macht inzwischen auch mit anderen Smartphoneproduzenten gemeinsame Sache. In der vergangenen Woche kündigte Technologiekonzern Samsung Electronics überraschend an, dass auch er ein eigenes Windows-Telefon auf den Markt bringen will. Anfang des Jahres verdrängten die Südkoreaner Nokia vom Spitzenplatz als weltgrößte Verkäufer von Mobiltelefonen. Bald werden nach Angaben von Microsoft auch der taiwanesische Produzent HTC und der chinesische Telekomriese Huawei Technologies mit Geräten aufwarten, die auf dem neuen Betriebssystem Windows Phone 8 basieren.
Bisher agierte Nokia weitgehend allein in diesem Geschäft: Im zweiten Quartal verkauften die Finnen laut Marktforschungsfirma International Data Corp 83 Prozent der weltweit rund 4,9 Millionen Windows-Telefone. Das könnte sich bald ändern, wenn Samsung und die anderen jetzt mit eigenen Windows-Telefonen voranpreschen. Analysten zufolge dürften viele auch deshalb verstärkt in Windows-Software investieren, weil sie sich der Patentschlacht von Apple entziehen wollen. Diese zielt vor allem auf jene Telefone, die mit Googles Android-Software laufen.
Nokias Vorstandschef Stephen Elop wiegelt trotzdem ab. Im Interview mit dem Wall Street Journal sagt er, dass etwa Samsung erst ganz am Ende einer Reihe anderer Nachrichten eingestreut habe, dass das Unternehmen jetzt auch ein eigenes Windows-Telefon herausbringen werde. Das zeige, wie wenig die Koreaner hinter der Microsoft-Plattform stünden.
Nokia hat alles gegeben
Nokia dagegen gehe mit Volldampf in die Entwicklung seiner Windows-Telefone, sagt Elop: „Wir haben ganz klar unsere besten Bemühungen, unser bestes Ingenieurwissen, unsere beste Innovation und geistiges Eigentum in diese Produkte gesteckt. Das vermittelt doch eine ganz andere Botschaft.“
Samsung war nicht direkt für einen Kommentar zu erreichen.
Nokia führte einst den Handymarkt an, ist aber in der Vergangenheit immer stärker zurückgefallen. Seit Elop im September 2010 das Ruder an der Konzernspitze übernahm, ist der Börsenwert des Unternehmens um fast drei Viertel gesunken. Nokia hat Milliardenverluste angehäuft, und Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschniveau abgestuft.
Inzwischen sind auch die Anleger, vor allem auf Nokias Heimatmarkt, das lange Warten auf die Trendwende leid. Die neuen Telefone, die der Konzern am Mittwoch vorstellen will, gehören schon Nokias zweiter Handygeneration, die auf dem Windows-Betriebssystem läuft. Und Investoren wollen jetzt Erfolge sehen.
„Die Leute sind vor allem von Stephen Elop enttäuscht“, sagt Timo Rothovius, Vorsitzender der finnischen Vereinigung der Kleinaktionäre. Wenn sich die neuen Geräte nicht gut verkaufen würden, würde seine Anlegergruppe auf einen Rausschmiss von Konzernchef Elop dringen, sagt er. Die meisten der 10.000 Investoren in seinem Verband besitzen Nokia-Aktien – typisch für Finnland, wo 24 Prozent der Nokia-Anteilseigner sitzen.
Elop übernahm einen behäbigen Konzern
Elop übernahm vor knapp zwei Jahren einen strauchelnden Konzern, der sich auf dem rasch wandelnden Smartphone-Markt zu behäbig bewegte. Er holte Microsoft als Partner ins Boot, um die Handy-Entwicklung zu beschleunigen, und tatsächlich brachte Elop in weniger als 12 Monaten neue Smartphones auf den Markt.
„Man kann Elop nicht die schwierige Aufgabe ankreiden, die er durchziehen musste“, sagt Christian Elfving, Direktor der finnischen Sigrid-Juselius-Stiftung, die 0,2 Prozent an Nokia hält. „Viele der Maßnahmen waren unerfreulich, aber sie waren auch absolut notwendig“, sagt er.
Der Konzernchef selbst bleibt zuversichtlich. Er hält es sogar für förderlich, wenn Konkurrenten ebenfalls Windows-Telefone entwickelten, weil Windows damit für Entwickler noch attraktiver würde und entsprechende Marktmacht bekäme.
„Der wichtigste Konkurrenzkampf spielt sich zwischen Windows-Telefonen gegen Android und Windows-Telefonen gegen Apple ab“, sagt Elop und verspricht, dass die neuesten Telefone, die am Mittwoch enthüllt werden, wesentlich wettbewerbsfähiger sein würden.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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