• The Wall Street Journal

Wie die Schweiz Deutschlands Finanzminister hilft

Die Devisenreserven der Schweiz steigen und steigen, weil die Märkte auch im Juli die Entschlossenheit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) getestet haben, eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern. Neuerliche Interventionen der Notenbank ließen die Reserven des Landes um 11 Prozent auf 406,5 Milliarden Schweizer Franken steigen. Statistische Daten legen nahe, dass das frische Geld der SNB in nicht unerheblichem Maße in deutsche Bundesanleihen fließt.

Absolut gesehen dürfte die Alpenrepublik im Juli Taiwan in der Rangfolge der Länder mit den größten Devisenreserven abgelöst haben und auf Platz 5 hinter China, Japan, Saudi-Arabien und Russland aufgerückt sein. Zum Vergleich: Die Devisenreserven des gesamten Eurosystems beliefen sich Ende Mai auf 862,9 Milliarden Dollar oder umgerechnet 835 Milliarden Schweizer Franken.

Reuters

Er muss seit Monaten an den Devisenmärkten intervenieren, um die Wechselkursuntergrenze des Schweizer Franken zu verteidigen: Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

SNB-Sprecher Walter Meier sagte: „Ein Großteil des Anstiegs der Reserven im Juli hängt mit dem Kauf von Devisen zur Verteidigung der Untergrenze des Euro-Franken-Kurses zusammen." Die SNB hatte das Limit von 1,20 Schweizer Franken zum Euro im September vergangenen Jahres eingeführt, nachdem der Franken gegenüber der Gemeinschaftswährung nahezu Parität erreicht hatte.

Die Aufwertung des Franken verteuert die Exporte der Schweiz und belastet damit die Wirtschaft des Landes. Für Anleger ist die Währung der Alpenrepublik angesichts der Euro-Krise ein sicherer Hafen und damit gefragt.

Seit drei Monaten lassen sich die Interventionen der Notenbanken nun massiv in den Devisenreserven des Landes ablesen. Sie stiegen von 237,6 Milliarden Schweizer Franken Ende April um zwei Drittel auf jetzt über 400 Milliarden. Allerdings hat sich die Kurve zuletzt deutlich abgeschwächt.

Zunehmend hält die SNB ihre Devisenreserven in Euro: Der Anteil stieg von Ende März bis Ende Juni von 51 auf 60 Prozent. Die Verschiebung ging zulasten von US-Dollar, britischem Pfund und japanischem Yen. Der Löwenanteil steckte Ende Juni in Staatsanleihen (85 Prozent), wovon 86 Prozent beste Bonität genießen. Es ist daher unschwer anzunehmen, dass die SNB in erheblichem Maße deutsche Schulden kauft, um die Aufwertung des Franken zu verhindern. Berlin dürfte derzeit wenig Grund haben, sich über die Schweiz zu beklagen.

Wer vermutet, die Geldschöpfung der Schweizer könnte mittlerweile ein Inflationsproblem darstellen, irrt. Nach Angaben der Statistikbehörde des Landes sind die Verbraucherpreise im Juli weiter gesunken. Sie gingen gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent und gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,7 Prozent zurück. Hält der Druck der Devisenmärkte auf die Schweiz an, wird vermutlich weiteres Geld in der Schweiz für deutsche Schulden „gedruckt".

Kontakt zum Autor: olaf.ridder@wsj.com

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