Von SOLOMON MOORE
NAIROBI, Kenia— Bei einem Mikrokredittreffen im Kawangware-Slum, etwa 16 Kilometer südlich vom Stadtzentrum von Nairobi, wollte Jackson Munyovi 350 Dollar leihen, um eine neue Hütte für seine Frau und seine zwei Kinder zu bauen.
Der 31-jährige Schweißer hat Freunde und Kirchgänger gebeten, für einen Kredit mitzubürgen, um die Baumaterialien zu finanzieren. Ein Diakon hat die Sicherheiten des Schuldners bezeugt, darunter einige Werkzeuge und sein Ehebett. Und Munyovi hat versprochen, den Kredit innerhalb von sechs Monaten zurückzuzahlen, inklusive acht Prozent Zinsen. So hat die Equity Bank Group, eines der ehrgeizigsten Institute in Afrika, einen neuen Kunden gewonnen.
Die Geschäfte der kenianischen Bank laufen blendend. Sie leiht Menschen Geld, die kaum mehr Sicherheiten bieten können als die Schande, wenn sie ihre Freunde enttäuschen. Die Bank scheut sich nicht vor einem Geschäftsmodell, das Sitten und Schande ausnutzt, um Profit zu machen. Das sind oft die besten Sicherheiten auf einem Kontinent, wo außerhalb der Großstädte kaum jemand eine Bonitätsgeschichte hat.
„Wenn eine Frau mit ihrem Ehebett einen Kredit besichert, wird sie diesen auf jeden Fall zurückzahlen", sagt der Leiter der Bank, James Mwangi. „Andere Frauen werden ihr helfen, um sicherzugehen, dass das Ehebett nicht abgeholt wird, wenn der Mann nicht zu Hause ist. Hier sind soziale Beziehungen wichtiger als wirtschaftliche."
Auf dem Gebiet der Mikrofinanz sei der größte Wettbewerber nicht eine andere Bank, sondern die Matratzen, wo viele Afrikaner ihre ganzen Ersparnisse verstecken, sagen Vertreter von Equity. Fast 90 Prozent ihrer Kunden hätten zum ersten Mal mit einer Bank zu tun, sagt Mwangi.
Laut Schätzungen der Bankenbranche haben etwa 80 Prozent der Erwachsenen in Afrika – also etwa 326 Millionen Menschen – kein Bankkonto. Die meisten von ihnen arbeiten im riesigen informellen Sektor des Landes, der weder Steuern zahlt noch irgendwie reguliert ist.
Viele afrikanische Mikrofinanzbanken, ob öffentlich oder privat, schlagen sich schlechter als ähnliche Organisationen auf anderen Kontinenten, heißt es in einer Studie der Consultative Group to Assist the Poor, eine Forschungsgruppe zum Thema Mikrofinanz, die von der Weltbank unterstützt wird. Nur 25 afrikanische Mikrofinanzinstitute haben mehr als 30 Millionen Dollar in Anlagen, verglichen mit 105 in Lateinamerika und der Karibik und 62 in Europa und Zentralasien.
Banken weiten Kundenbasis aus
Andere kenianische Banken, vor allem aber die Kenya Commercial Bank, weiten ebenfalls ihre Kundenbasis aus, indem sie auf kleine Kreditnehmer aus der informellen Wirtschaft zugehen. Doch keine andere hat Equity bisher eingeholt. Das Institut hat als erstes Kunden auch ohne Bankkonto akzeptiert und hat seine Position beim landesgrößten Netzwerk von unabhängigen Bankvertretern gestärkt. Damit bleiben Equity wenige Wettbewerber in Afrika, und niemand kann wirklich mit dem Institut mithalten.
Gegründet wurde die Bank 1984 als Equity Building Society, einem Hypothekenfinanzierer für Kenianer mit geringem Einkommen. In den 90er-Jahren ging die Bank fast bankrott, da Managementfehlern gemacht wurden, der kenianische Bankensektor eine Flaute erlebte und die faulen Kredite in ihrem Portfolio über 54 Prozent lagen.
Mwangi stieß 1993 zur Bank, nachdem er bereits für Ernst & Young und die nicht mehr existierende Trade Bank gearbeitet hatte. 2004 wurde Mwangi Geschäftsführer. Er hat für die Bank eine Mikrokreditstrategie entwickelt und diese profitabel gemacht, indem er Kunden mit Einlagen von weniger als 200 Dollar und mit wenig Sicherheiten anvisierte, deren Freunde und Nachbarn für sie bürgen würden.
Für die Bank werden Netzwerke wie Kirchen- oder Moscheegemeinden, Stammes- und Familienbeziehungen, Firmen und Schulen zu harten Gütern.
Um über einen Kredit zu entscheiden, nutzt die Bank einen kombinierten Ansatz aus pragmatischer kultureller Analyse und typischen Mikrokredittechniken. Bei gemeinnützigen Einrichtungen kommen solche Methoden häufig vor, doch Equity hat sie genutzt, um Geld zu verdienen.
2011 ist der Vorsteuergewinn der Bank um 42 Prozent auf 150 Millionen Dollar gewachsen. Damit ist das Institut nach der Kenya Commercial Bank zur zweitprofitabelsten Bank Kenias geworden. 2011 waren etwa ein Drittel der Kredite von Equity unbesicherte Lohnvorschüsse für Beamte, manchmal nur über zwölf Dollar. Diese versprachen dafür, zehn Prozent Zinsen aus ihrem nächsten Gehaltsscheck zu zahlen.
Weitere elf Prozent der Kredite gingen an kleine Unternehmen wie Obststände, Stände mit gebrauchter Kleidung und Friseursalons. Als Sicherheiten können Möbel, Haushaltsgegenstände und Geschäftsgüter verwendet werden.
Höhere Kredite nach der Rückzahlung
Bei Rückzahlung können die Schuldner einen neuen Kredit über 590 und danach über 886 Dollar beantragen, den sie über den gleichen Zeitraum zurückzahlen müssen. Die letzte Stufe für neue Schuldner ist ein Kredit über 1200 Dollar, den sie innerhalb eines Jahres zurückzahlen müssen.
Godfrey Chege ist ein solcher Kunde. Er und seine Frau haben einen Kredit über fast 1200 Dollar erhalten, um ihre Hühnerhandlung zu finanzieren. Dafür haben sie ihr Bett als Sicherheit angegeben.
18 Monate, nachdem Equity eine Niederlassung in Kibera, einem der größten Slums der Welt, eröffnet hat, hatte die Bank dort 15.000 neue Kunden gewonnen, berichtet Francis Mbindyo, Manager bei der Niederlassung in Kibera.
Die Schlangen von Kunden reichen bei manchen Filialen bis vor die Tür. Mbindyo sagt, Schuldner müssten Teil einer Kreditgruppe von mindestens zwölf Mitgliedern sein, die neue Verträge mit unterzeichnen.
Faule Kredite machten im jüngsten Quartalsbericht der Bank 2,7 Prozent aus. 88 Prozent der Equity-Kunden haben dort ihr allererstes Bankkonto eröffnet, und für mehr als drei Viertel der Kredite wurden keine Sicherheiten hinterlegt.
Etwa 4000 Agenturfilialen
Equity nutzt in Kenia ein Netzwerk von Agenturen und zahlt ihnen Provision dafür, dass sie in ländlichen Gegenden als Bankkassierer agieren. Die Bank hatte im März etwa 4000 Agenturfilialen. Anfang 2011 waren es noch 875. Laut dem Unternehmen laufen etwa ein Fünftel der Bargeldtransaktionen über diese Agenturen.
Equity expandiert auch über die Landesgrenzen hinaus. Die Bank hat insgesamt 51 Filialen in Uganda, Südsudan, Ruanda und Tansania eröffnet. Diese Vorstöße hat Equity mit einem einjährigen Training für die örtlichen Angestellten vorbereitet, sagt Mwangi. „Wir wollen eine internationale Bank sein, die in jeder Gemeinde eine örtliche Bank ist", sagt er.
Der Obstbauer Thomas Kimote hat sich vor vier Jahren zum ersten Mal 200 Dollar von der Equity Bank geliehen. Er hat mit dem Geld sein Geschäft ausgeweitet und beliefert jetzt einige der größten Supermärkte in Kenia. „Ich bin jetzt eher ein Großhändler", sagt Kimote.
Laut Mbindyo, dem Filialmanager in Kibera, hat Kimotes Erfolg noch weitere Kunden zur Bank gebracht, darunter seine Lieferanten, seine Fahrer und andere, die mit dem Geschäft in Verbindung stehen.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de



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