Von ROBIN SIDEL und AMIR EFRATI
Leslie Fiet wäre es recht, wenn die Kunden ihre Törtchen mit einem Smartphone anstatt mit Bargeld oder Bankkarten bezahlen würden. Doch in den ganzen acht Monaten, seit die Besitzerin von Mini's Cupcakes in Salt Lake City ein Gerät installiert hat, das mobile Zahlungen abwickeln kann, hat es noch keiner ausprobiert. „Es hat noch niemand so eine mobile Geldbörse", sagt die Bäckerin.
Es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis sich die mobile Zahlungstechnologie durchsetzt. Banken, Einzelhändler und Technologiefirmen haben Milliarden in dieses System gesteckt, doch die Investitionen werden sich wahrscheinlich erst in einigen Jahren auszahlen.
Eine ganze Reihe von mobilen Zahlungsdiensten wird mittlerweile angeboten, über die die Verbraucher gar keinen Überblick haben. Viele nutzen ihr Smartphone, um ihren Kontostand abzurufen oder über das Internet einzukaufen. Doch kaum jemand ersetzt damit bisher seine Kreditkarte. „Mobile Zahlungen an der Ladenkasse sind im US-Markt noch selten, und das trotz vieler Innovationen bei mobilen und Zahlungstechnologien", heißt es in einem 45-seitigen Bericht der Beratungsfirma Javelin Strategy & Research über die mobile Zahlungsindustrie.
Die Branche hat sich bisher nicht auf einen einheitlichen Technologiestandard geeinigt. Eine weitere Schlappe gab es dann, als Apple diesen Monat ein neues iPhone-Modell herausbrachte, das keinen Chip enthält, der für mobile Zahlungen nötig wäre. Das dürfte die Verbreitung der Technologie namens „near-field communications", oder NFC, weiter verzögern.
Javelin schätzt, dass 2016 72 Prozent aller Handynutzer ein Smartphone haben werden. Heute sind es 51 Prozent. Google ist mit seinem Dienst Google Wallet der wichtigste Wettbewerber bei der NFC-Technologie, mit der Bankkarten in ein Smartphone geladen und über einen Chip im Telefon an der Kasse abgerufen werden. „Im Vergleich zu anderen Technologien ist NFC bei Einzelhändlern am weitesten verbreitet", sagt Robin Dua, Leiter des Produktmanagements bei Google Wallet.
Doch selbst Google Wallet verbreitet sich nur langsam, berichten Branchenbeobachter, vor allem weil die Technologie nur in sechs verschiedenen Handymodellen eingebaut ist, die nicht einmal bei allen Mobilfunkanbietern verfügbar sind. Dua wollte keine Zahlen dazu nennen, wie viele Menschen mittlerweile Google Wallet nutzen oder wie viel Geld im Monat durch das System fließt.
Nur zwei bis drei Prozent mit NFC-Technologie
Nick Holland, Analyst bei der Beratungsfirma Yankee Group, schätzt, dass zwei bis drei Prozent aller Smartphones in den USA die NFC-Technologie haben.
Viele Händler wollen die Infrastruktur für mobile Zahlungen erst einmal gar nicht aufbauen solange sie nicht sicher sind, ob NFC überhaupt zum Standard der Branche wird. Visa und Mastercard geben den Händlern Anreize dafür, umzustellen. Doch viele Kunden ändern nur langsam ihre Gewohnheiten, was Geld angeht.
Nicht nur Apple hat der mobilen Zahlungstechnologie diesen Monat einen Rückschlag versetzt. Ein Joint Venture von mehreren Mobilfunkanbietern hat seine ersten Tests mit einem neuen Zahlungssystem namens Isis aufgeschoben. Einen Grund nannten die Gründer des Joint Venture - AT&T, T-Mobile USA und Verizon Wireless - nicht.
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Auch Startups wie Clinkle, Cardspring, Paydiant, Boxpay und Digimo investieren Millionen von Dollar in die neuen Zahlungsmethoden. Einige von ihnen setzen auf NFC, andere lassen die Nutzer per SMS oder durch Scannen des QR-Codes auf einem Produkt für ihre Einkäufe zahlen.
Neue Geräte und Zahlungsdienste werden die Verbraucher kaum dazu bewegen, sich umzustellen – das wissen auch Vertreter von Banken, Einzelhandel und Technologiefirmen. Die Verbraucher müssen mit gezielten Sonderangeboten gelockt werden, die einen greifbaren Vorteil gegenüber den Bankkarten bieten.
Außerdem müssen viele Verbraucher erst lernen, wie mobile Zahlungen funktionieren, bevor sich die Technologie durchsetzen kann. Ramon Llamas, Analyst bei International Data Corp., sei vor kurzem zu sechs Läden gegangen, die Smartphones mit einem NFC-Chip verkaufen. Nur ein Verkäufer habe ihn darüber informiert – und das auf eine nicht besonders überzeugende Weise. „Er sagte: Ich würde niemals eine mobile Geldbörse nutzen", berichtet Llamas.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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