• The Wall Street Journal

Kinder sollen Ebay Umsatz bringen

dapd

Immer mehr Kinder sind schon früh mit dem Computer vertraut. Immer mehr Unternehmen möchten sie als Kunden gewinnen.

Auf der Suche nach neuen Umsatzbringern will sich das Onlineauktionshaus Ebay eine bislang unerschlossene Käuferschicht zunutze machen: Kinder. Das sagte Devin Wenig im Interview mit dem Wall Street Journal. Wenig leitet das globale Kerngeschäft des Online-Marktplatzes.

Das Internetunternehmen könnte Endkunden unter 18 Jahren die Einrichtung eigener Konten erlauben. Damit hätten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, auf der Webseite T-Shirts, Schmuck, Schulsachen oder sonstige Produkte zu kaufen.

Eventuellen Sorgen um den Schutz der Privatsphäre will das Unternehmen schon im Vorfeld ausräumen: Die Konten der Kinder sollen sehr wahrscheinlich nur mit dem Einverständnis der Eltern eröffnet werden. Die Minderjährigen könnten zwar die meisten auf Ebay erhältlichen Dinge kaufen, sagte Wenig. Die Firma plane jedoch einen Schutzmechanismus, der den jungen Nutzern den Zugang zu nicht altersgerechten Produkten und Inhalten verwehre.

„Wir sind definitiv auf der Suche nach Möglichkeiten, wie wir jüngere Käuferschichten auf legitime Weise integrieren können", sagte Wenig. „Wir würden einem 15-Jährigen einen uneingeschränkten Zugang zur Seite nicht erlauben. Wir hätten gerne ein Elternteil, einen Erwachsenen als Begleitperson."

Schon jetzt kommen Kinder an die Angebote

Noch sind die Pläne nicht voll ausgereift. Doch innerhalb der kommenden neun Monate könnte es soweit sein. Mit dem Angebot eines Kinder-Kontos würde sich das Unternehmen aus San Jose dann in eine wachsende Anzahl von Tech-Unternehmen einreihen, die auf junge Konsumenten zielen. Die gelten zunehmend als schlaue und wünschenswerte Zielgruppe.

Unter vier Augen geben die meisten Manager aus der Tech-Branche zu, dass Minderjährige bereits jetzt zu einem großen Teil ihres Geschäfts beitragen. Doch Einzelheiten oder genaue Zahlen zu bekommen, ist schwierig. Die meisten Kinder gehen über die Zugänge ihrer Eltern in die entsprechenden Portale oder nutzen Online-Angebote, ohne dass ihre Eltern davon wissen.

Es sei wahrscheinlich, dass unter 18-Jährige bereits jetzt auf Ebay Produkte kaufen, indem sie über ihr Alter lügen, sagte Wenig. „Wir würden gerne etwas aus der Anonymität herauskommen."

Die neuen Konten für Kinder würden dem Online-Händler auch den Zugriff auf die minderjährigen Kunden seines Bezahldienstes Paypal ermöglichen. Die Ebay-Sparte erlaubt es Jugendlichen ab 13 Jahren, mit der Erlaubnis der Eltern eine Kundenkarte zu nutzen.

"Man will sie früh in die Fänge bekommen"

Datenschutzrechtler sind skeptisch. „Ebay muss einen Mittelweg finden", sagt Jeff Chester vom Center for Digital Democracy, einer Interessenvertretung für den Datenschutz im Internet. „Sie können Minderjährige nicht wie kleine Erwachsene behandeln. Das heißt, sie müssen ihre Nutzeraufzeichnungen und die gezielte Werbung überdenken."

Finanzdienstleister wie etwa Kreditkartenanbieter haben für Heranwachsende enge Grenzen gesetzt. Kunden unter 21 Jahren müssen ein unabhängiges Einkommen nachweisen, um über einen Mindestzahlungsbetrag verfügen zu können. Die Alternative: Ein Erwachsener unterschreibt zusammen mit ihnen und ermöglicht ihnen so den Zugriff auf eine Kreditkarte. Banken fordern für gewöhnlich das Einverständnis eines Erwachsenen, wenn Kinder ein Konto eröffnen und eine damit verbundene Guthabenkarte haben wollen. Dass die Kinder den Zugang ihrer Eltern nutzen, lässt sich indes kaum vermeiden.

„Es gibt viele Gründe, die junge Kundschaft anzusprechen", erklärt Internet-Marktforscher Ed Mierzwinski. „Kinder sind für diese Unternehmen ein aufstrebender Markt. Man will sie früh in die Fänge bekommen, denn sie bestimmen, was die Familien kaufen, und sie werden die markentreuesten Kunden."

Neben Ebay schneidern auch andere Unternehmen der Branche an speziellen Angeboten für Minderjährige. Das soziale Netzwerk Facebook testet Wege, wie Kinder unter 12 Jahren die Nutzung seiner Seite ermöglicht werden kann. Das hat Verbraucherschützer auf den Plan gerufen, die fürchten, dass dadurch eine Flut von Pädophilen angezogen werden könnte. Der Online-Händler Amazon wollte die Thematik nicht kommentieren. Das Anzeigenportal Craigslist hat die Nutzung durch Minderjährige in seinen Geschäftsbedingungen untersagt. Die Kunden können dort jedoch anonym bleiben.

Mehr Leben auf dem Marktplatz

Ebay hat keine Funktion wie Facebook, die die Person des Nutzers in den Vordergrund rückt. Minderjährige wären damit nicht so schnell als solche zu erkennen. Allerdings bietet das Online-Kaufhaus Produkte an, die sich ausdrücklich an Erwachsene richten. Ebay-Kunden können Pornofilme oder Sex-Spielzeuge kaufen oder verkaufen, wenn sie ausdrücklich erklären, ihren Zugang nicht mit Minderjährigen zu teilen. „Wir müssten ein paar Schutzmaßnahmen hinzufügen", sagte Wenig dazu.

Das Unternehmen ist auf der Jagd nach neuen Kunden, während es versucht, den Marktplatz als Kerngeschäft zu verjüngen. Noch bis 2009 hatte Ebay regelmäßig Umsatzrückgänge in dem Geschäft hinnehmen müssen, was viele zu der Annahme veranlasste, dass es schon bald von der Sparte Paypal und anderen Dienstleistungen in den Schatten gestellt würde.

Dem Konzern gelang es jedoch, den Trend umzukehren. Dazu haben einfachere Zahlungsmethoden und beliebte Angebote wie die Autoverkäufe beigetragen. Ebay-Chef John Donahoe hat die Marktseite entrümpelt. Die Aktie hat in diesem Jahr bereits 35 Prozent an Wert zugelegt.

Vor einer Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der Umsatz mit dem Marktplatz im zweiten Quartal um über neun Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Schon im vergangenen Jahr hatten die Erlöse um 16 Prozent zugelegt, weil immer mehr Kunden die Seite nutzen. Der Quartalsgewinn verdoppelte sich auf fast 700 Millionen Dollar.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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